Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

18. Juni 2019, 15:00 Uhr

0726

Arnulf Rainer*

(Baden 1929)

„Schwarze Venus - Überzeichnung Marcel Gromaire“
1962
Lithographie, übermalt
49,5 x 63 cm
Bezeichnet, signiert und datiert rechts unten: "Schwarze Venus", A. Rainer 62

Literatur

Arnulf Rainer. Werke 1956 - 1976, Schapira & Beck Galerie Wien, Abb. Nr. 52 (Vorzustand); A. Rainer. Arbeiten auf Papier 1956 - 76, Ausstellungskatalog Österreich-Galerie, Künstlerhaus Klagenfurt, 1976, Abb. Nr. 42 (Vorzustand).

€ 25.000 - 40.000

Während einer Ausstellungseröffnung im Wolfsburger Rathaus übermalte Arnulf Rainer blitzschnell eine Radierung von Helga Pape. Diese gewaltsame Aneignung war 1961 der aktionistische Beginn für Übermalungen fremder Arbeiten und gleichzeitig medienwirksame Propaganda für seine zeitgleiche Ausstellung von „Übermalungen“ in Hannover. (vgl. Jutta Schütt, Arnulf Rainer. Überarbeitungen, Berlin 1994, S. 55f)

Nach den stillgelegten kontemplativen Arbeiten der 1950er Jahre verändert und erweitert sich die Art der Zumalung. Das Darunterliegende regt Arnulf Rainer an. Es kommt zu einem künstlerischen Dialog mit der Vorlage. Die Übermalung bleibt offen. Kunstdrucke, Lithografien und Radierungen von Zeitgenossen wie Fritz Wotruba, Alberto Giacometti und von Marcel Gromaire (1892 – 1971), wie die vorliegende Arbeit, inspirieren ihn. Er nimmt den Rhythmus der fremden Bildsprache auf, beginnt mit Hilfe unterschiedlichster Mittel wie Aquarellfarbe, Bleistift, Farbstift, Ölkreide einen Dialog und verdichtet die Geste durch intensives Schwarz. Die Spuren seines Malprozesses und die Strichführung der Lithografie bleiben erkennbar. Kunst auf Kunst. Die Vorlage wird zu einem entscheidenden Teil seines Kunstwerkes. Der Titel „Schwarze Venus“ deutet auf eine darunterliegende Aktdarstellung von Gromaire hin.

Übermalung ist das künstlerische Instrument von Arnulf Rainer. In den unterschiedlichsten Variationen bestimmt sie konsequent und radikal alle seine folgenden Werkgruppen. (Christa Armann)