Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

30. November 2018, 17:00 Uhr

0303

Oskar Kokoschka*

(Pöchlarn 1886 - 1980 Montreux)

„Italienisches Bauernmädchen“
1901
Aquarell, Tempera, Bleistift auf Papier
29,3 x 22,5 cm
Signiert und datiert links unten: Oskar Kokoschka 1901

Provenienz

Sammlung Dr. Ernst Adolf Bunzl, Wien;
Bohuslav Kokoschka, Wien;
österreichischer Privatbesitz

Ausstellung

1937 Wien, Österreichisches Museum für Kunst und Industrie, Oskar Kokoschka Ausstellung zum 50. Geburtstag des Künstlers, Mai-Juni, Nr. 11;
1994 Wien und New York, Graphische Sammlung Albertina und Guggenheim Museum, Oskar Kokoschka. Das Frühwerk (1897/98-1917). Zeichnungen und Aquarelle, 02. 3. - 23. 5. und 10. 06. - 24. 08., Kat.-Nr. 2 (mit Farbabb.);
1994 New York, Guggenheim Museum, Oskar Kokoschka, Works on Paper. The Early Years, 1897-1917, 10. 6. - 24. 8., Kat.-Nr. 2 (mit Farbabb.):

Literatur

Alice Strobl, Alfred Weidinger, Oskar Kokoschka. Zeichnungen und Aquarelle aus dem Frühwerk (1897/98-1917), Ausst.-Kat. Graphische Sammlung Albertina, Wien 1994, S. 9;
Alice Strobl, Alfred Weidinger, Oskar Kokoschka, Early Graphic Works, Ausst.-Kat. Guggenheim Museum, New York 1994, S. 13 f.;
Heinz Spielmann, Oskar Kokoschka. Das Frühwerk, in: Kunst Chronik, 47. Jahr, Heft 8, Nürnberg, August 1994, S. 420;
Alfred Weidinger, Oskar Kokoschka. 'Träumender Knabe' und 'Enfant Terrible' 1897/98 bis 1910, Dissertation, Universität Salzburg, Institut für Kunstgeschichte, Salzburg 1997, S. 10, Abb. 8;
Alfred Weidinger, Alice Strobl, Oskar Kokoschka. Die Zeichnungen und Aquarelle 1897-1916, Salzburg 2008, WV-Nr. 36, Abb. S. 15

€ 12.000

Vorliegendes Aquarell war einst in Besitz des jüdischen Rechtsanwaltes Dr. Ernst Bunzl, zu dessen Kunstsammlung neben Gemälden Alter Meister auch Objekte der Wiener Werkstätte zählten. Bunzl war mit Helene, geb. Wärndorfer, verheiratet, der Tochter des Industriellen Fritz Wärndorfer, dem Mitbegründer der Wiener Werkstätte. Helene starb im Jänner 1938 in Wien, das Ehepaar blieb kinderlos. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich musste Dr. Bunzl wegen seiner jüdischen Herkunft vor dem Nazi-Regime nach Frankreich und von dort dann weiter nach Brasilien flüchten, seine bedeutende Kunstsammlung jedoch in Österreich zurücklassen. Die Kunstwerke wurden von der Gestapo beschlagnahmt und zur Abdeckung behaupteter Steuerschulden verkauft. Bunzl überlebte den Krieg im Exil, seine Suche nach den "arisierten", und ihm von den Nationalsozialisten entwendeten Kunstwerken blieb jedoch zeit seines Lebens erfolglos. Er starb 1962 im Alter von 74 Jahren in der Schweiz.

Zwischen dem gegenwärtigen Eigentümer des Kunstwerks - der dessen Historie nicht gekannt hat - und der Erbin Ernst Bunzls ist auf der Grundlage der "Washingtoner Declaration" eine Einigung zustande gekommen; der zufolge das Kunstwerk einvernehmlich versteigert wird. Diese Einigung wird in der bevorstehenden Auktion umgesetzt.

Oskar Kokoschka malte das Aquarell eines italienischen Bauernmädchens im Sommer 1901, im Alter von 15 Jahren, als er noch die k.u.k. Staatsrealschule in Wien besuchte. Er wählte ein gegen Ende des 19. Jahrhunderts beliebtes Motiv, das an Gemälde Anton Romakos und August Xaver Karl Ritter von Pettenkofens erinnert. Bereits von großer malerischer Virtuosität ist das Spiel mit starken Licht-Schatten-Kontrasten und die kräftige Farbigkeit in der Figurendarstellung. Im Schein des Sonnenlichts hebt sich die Figur der jungen hübschen Bäuerin, die unter dem linken Arm zwei Holzscheite trägt und ihre Schaufel über die rechte Schulter gelegt hat, wirkungsvoll von der teils impressionistisch aufgelösten Landschaftsumgebung ab.