Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

01. Dezember 2018, 15:00 Uhr

0051

Joannis Avramidis*

(Batumi/Georgien 1922 - 2016 Wien)

„Kleine Humanitätssäule I“
1963-86
Auflageabguss in Bronze
H. 115 cm
Signiert und nummeriert am Sockel: AVRAMIDIS 3/6
Auflage 6 (+ 0/6 + PA)

Provenienz

europäische Privatsammlung

Literatur

vgl. Werner Hofmann, Avramidis. Der Rhythmus der Strenge, München 2011, Abb. S. 55, Nr. 41.
vgl. Ausstellungskatalog "Joannis Avramidis", Leopold Museum, Wien 2017, Abb. S. 44 und S. 227.
vgl. Ausstellungskatalog "Joannis Avramidis", Galerie bei der Albertina, Wien, 2018, Abb. S. 28.

€ 80.000

Joannis Avramidis gestaltet seine Figuren gleichsam von innen heraus. In seinen Zeichnungen sieht man wie sehr er von einem allem zugrunde liegenden Gerüst ausgeht, das er in seinen Skulpturen mit dem „Fleisch der plastischen Substanz“ (Klaus Demus in: Joannis Avramidis. Skulpturen und Zeichnungen. Ausstellungskatalog, Schlossgarten, Innenstadt und Kunstverein, Ludwigsburg 1988, S. 18) ausfüllt, eine Synthese aus „innerer Ordnung und schwellendem Leben“ (Gustav Schörghofer in: Joannis Avramidis. Metamorphose. Mensch – Baum. Hybride Figur. Ausstellungskatalog, Galerie bei der Albertina, Wien 2018, S. 4).

Zahlreiche, sich fast ins Endlose duplizierende Menschengestalten bilden die „Kleine Humanitätssäule“, die zur ab 1963 entstandenen Säulen-Werkgruppe zählt. Typisch für diese Serie ist die Entwicklung eines vertikalen Kontinuums, das durch Spiegelung der Körperachsen entsteht. Kopf an Kopf und Fuß an Fuß stapelt der Künstler die aufrechten Menschengestalten um eine zentrale Mittelachse gruppiert übereinander. Die Schwellungen der Bronze versinnbildlichen Körperrundungen oder Gelenke. Dem hier weiterentwickelten „Kollektivkörper“ (Hans-Peter Wipplinger (Hg.), Joannis Avramidis. Ausstellungskatalog, Leopold Museum. Wien 2017, S.42) geht die Arbeit „Polis“ voraus, die als „Metapher von Platons Utopie eines Stadtstaates als Einheit freier und gleichberechtigter Individuen in Erscheinung tritt“ (Wipplinger, S. 42). Dabei ist Avramidis die Bewegung kein Motiv, in sich ruhend treten die Gestalten in Diskurs, sie sind auf Augenhöhe miteinander gleichberechtigte Mitglieder einer Gemeinschaft, bilden in ihrer Gesamtheit die Menschheit ab. Avramidis’ Figuren stehen in sich ruhend in fester Aufrichtung. „Es wird kein Handeln vorgeführt. Die Gestalt tut nichts, bildet nichts ab. Sie verkörpert an ihrem Ort eine Energie. Sie erfüllt den Raum mit einer aufrichtenden und sammelnden Energie.“ (Schörghofer, S. 6). In der „Kleinen Humanitätssäule“ potenziert sich diese ins schier Unendliche. (Sophie Cieslar)