Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

20. Juni 2018, 18:00 Uhr

0805

Roman Scheidl*

(Leopoldsdorf 1949)

„5 Freiheiten“
1990
Öl auf Leinwand; ungerahmt
123 x 167 cm
Signiert links unten: Scheidl
Rückseitig signiert, bezeichnet und datiert: Scheidl, 5 Freiheiten, 1990
Rückseitige Werkverzeichnisnummer: 374

Provenienz

direkt beim Künstler erworben;
seither Privatbesitz, Wien

Literatur

Die Arbeit ist abgebildet im Parnass, Heft 1, 1991, Abb. S. 49.

€ 6.000

Das Thema der 5 Freiheiten wurde von Roman Scheidl erstmals 1987 gemalt (Vgl. hierzu: Roman Scheidl, 5 Freiheiten, Salzburg 1999, S. 11) und ist seither zu einem Hauptthema in seiner Malerei geworden. Es hat seinen Ursprung in der asiatischen Philosophie. Nach ihr hat der Mensch fünf Freiheiten, deren Beschreibung zugleich eine einfache Darstellung des Lebensweges ist:

Das fünffache Ich
entspricht den Fünf Freiheiten
der Welt des Scheins.
Die erste ist das Leben,
die zweite die Kunst des Denkens,
aus der die dritte folgt:
das Handeln.
Die vierte verbindet alle drei,
es ist die Liebe.
Als fünfte bleibt die Freiheit,
die der Tod uns schenkt.
(ebenda, S. 8)

Roman Scheidl stellt die 5 Freiheiten in seinen Bildern als Tänzerfiguren dar, die er immer wieder in andere Zusammenhänge setzt. In den vielen Variationen des Themas sind sie entweder vor konkreten Landschaften oder abstrakten Hintergründen zu sehen und werden in verschiedenen Farbkombinationen und mit unterschiedlichem Farbauftrag gemalt. Auch ihre Anzahl variiert: nicht immer sind alle fünf Freiheiten dargestellt, manchmal nur vier, drei oder zwei, und oftmals wird eine einzige Freiheit im Bild thematisiert.

Im vorliegenden Bild erheben sich die 5 Freiheiten vor einer weitläufigen Landschaft, die in ein gleißendes Licht getaucht ist. Die Landschaft und die Körper der Figuren sind mit abstrakter Pinselschrift gemalt, eine figurative Konturierung läßt Tänzer und einzelne Landschaftselemente jedoch sehr konkret erscheinen. Der bewegte Pinselstrich erreicht eine starke Eigendynamik und erzeugt einen Rhythmus, der das gesamte Bild erfasst und die von starken Farbkontrasten bestimmte Darstellung zu einem atmosphärischem Raum vereinheitlicht.

Das Bild ist ein besonders charakteristisches Beispiel für Scheidls Malerei, in der bis heute Farbe, Licht, Bewegung und Raum sowie die menschliche Figur und die Landschaft die Grundthemen sind. Auch das Vereinen von Gegensätzen und Spannungsmomenten und die Verbindung von Abstraktion und Gegenständlichkeit sind wesentliche Kennzeichen seiner Kunst. (Birgitta Kager)