Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

20. Juni 2018, 18:00 Uhr

0810

Oswald Oberhuber*

(Meran 1931 - 2020 Wien)

„o.T.“
1949
Öl auf Hartfaserplatte; gerahmt
86 x 147 cm
Signiert und datiert rechts unten: Oberhuber 1949
Rückseitig signiert und datiert: Oberhuber 1949

Provenienz

2011 im Auktionshaus im Kinsky Wien erworben, 86. Auktion (lot 205);
seither europäische Privatsammlung

 € 18.000

Das Informel, das seinen Ursprung im Paris der 1940er Jahre hat, prägt die Kunst der Jahre um 1950 in Europa aber auch in den USA entscheidend. In Österreich bedienen sich die jungen Künstler, die in Richtung abstrakte Kunst tendieren, der Stilmittel des Informel in einer Art Befreiungsschlag, um die starren Regeln einer naturalistischen Malerei zu durchbrechen. Nicht zufällig trägt ein 1949 entstandenes Werk Oswald Oberhubers den Titel „Zerstörte Formen“. Man muss zuerst alles hinterfragen, „zerstören“, um auf den „Ruinen“ neu aufbauen zu können. Der Bildraum im herkömmlichen Sinne, der den Regeln der Zentralperspektive folgt, die Gegenstandsfarbe, Umrisslinien, die eine Binnenform einfassen, all das ist aus den Fugen geraten. Die Künstler der Nachkriegsjahre sehen die Welt mit neuen Augen.

Das Bild „Ohne Titel“ ist in jener informellen Umbruchsphase entstanden. Hier geben sich Joan Miró und Jackson Pollock ein Stelldichein, Surrealimus, Dadaismus und Action Painting hinterlassen Spuren, werden aber in eine gänzlich neue Richtung uminterpretiert. Die bunten, von schwarzen Umrisslinien umschlossenen Formen, sind keine magischen Symbole, keine Kürzel für Tiere, den Mond oder die Sonne wie bei dem Katalanen, oder zufällig entstandene Produkte eines entfesselten Unbewussten wie bei dem Amerikaner. Vielmehr experimentiert Oberhuber mit dem Vokabular der klassischen Malerei: mit Farben, die optisch in den Vorder- oder Hintergrund treten, die von schwarzen Linien eingefasst assoziative Formen bilden, aber stets eine Öffnung vorfinden, um diese auch wieder zu verlassen. Mit einem Licht, das aus diesen Farben strömt, in hellem Gelb oder verwaschenem Weiß Glanzlichter bildet, und mit einem Bildraum, der in alle Richtungen offen und doch in sich geschlossen ist, der in seinem einheitlichen Hellgrau flach scheint, aber in zartlasierenden Farbnebeln, die über diesen Grund schweben, doch eine subtile Tiefendimension erhält.

Das Informel der Jahre um 1950 dient Oswald Oberhuber als Sprungbrett für weitere Entwicklungen in seinem Schaffen, das geprägt ist von Stilbruch und Pluralität wie kaum ein anderes in der österreichischen Kunstgeschichte. „Mein Ausgangspunkt ist die permanente Veränderung“ sagt der Künstler (Oswald Oberhuber. Ausstellungskatalog, 21er Haus, Wien 2016, S.149). In einer großen Ausstellung im 21er Haus in Wien wurde sein Oeuvre 2016 in einer umfassenden Retrospektive gewürdigt. (Sophie Cieslar)