Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

20. Juni 2018, 18:00 Uhr

Objektübersicht
Objekt

0801

Xenia Hausner*

(Wien 1951)

„Venus“
2000
Acryl, Collage auf Barythpapier; gerahmt
140 x 137 cm

Provenienz

2009 im Auktionshaus im Kinsky Wien erworben, 73. Auktion (lot 375);
seither europäische Privatsammlung

Literatur

Vgl. Xenia Hausner, Ladies first, second thoughts. Damenwahl, Berichte aus dem Labor, Wienand Verlag, Köln 2003, Abb. S. 77.

€ 18.000

Den Ausgangspunkt für Xenia Hausners Arbeit mit dem Titel „Venus“ bildet ein großformatiger Druck, der von der Künstlerin koloriert und mit bemalten Karton- und Buntpapierelementen beklebt wird. „Ich schneide gern Bilder ab und stückel sie wieder an“, kommentiert Hausner ihre Mixed-Media-Arbeiten. „Die bemalten Teile im Probierstadium sind meistens aus Karton und werden mit Heißkleber ungeduldig auf's Bild gedrückt. [...] Mit der Zeit hat sich der Genuß am Anstückeln verselbständigt.“ (Xenia Hausner in: Xenia Hausner. Ladies First, Second Thoughts, Köln 2003, S.82) Im Laufe der Jahre sammelt sich die Künstlerin einen Materialpool an, darunter Papiere und Verpackungen aus von ihr bereisten Ländern, deren Farbe oder Muster ihr gefallen hat. Das gefundene Material ordnet sie in ihren Werken nach ästhetischen Kriterien an. In der vorliegenden Arbeit „Venus“ folgt sie mitunter dem vorgegebenen figurativen Rahmen. Die Bildelemente aus der realen Welt stellen für Hausner eine Verbindung zwischen der Fotografie und der Malerei dar. (vgl. Xenia Hausner in: Xenia Hausner. Ladies First, Second Thoughts, Köln 2003, S.83). Die Fotografie dient der Künstlerin als Arbeitsmaterial und wird von ihr unter Beigabe von Farbe und Collage-Utensilien weitergedacht. Die hinzugefügten Papier- und Kartonteile erweitern das Porträt und können „für die Lektüre des Portraitierten aufschlussreich“ sein (Peter Weiermaier in: Xenia Hausner. Ladies First, Second Thoughts, Köln 2003, S.29).
Mit der Titelgebung, der Bezeichnung als Liebesgöttin, reiht sich Hausner in die lange Tradition der Venusdarstellungen in der Kunstgeschichte ein und verleiht dem Porträt eine überhöhte, universelle Bedeutung. Sie inszeniert ihre Protagonistin mit zur Seite geneigtem Kopf – eine Haltung, die das Venusantlitz in Sandro Botticellis Gemälde „Die Geburt der Venus“ aus dem 15. Jahrhundert zu zitieren vermag.
Xenia Hausner porträtiert mehrheitlich Frauen aus ihrem Kolleginnen- und Bekanntenkreis. Sie zeigt uns starke, selbstbewusste Frauen, die den Betrachter mit kühlem, fragendem Blick fixieren und ihn zur stummen Interaktion auffordern. (Isabell Kneidinger)