Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

20. Juni 2018, 18:00 Uhr

0816

Hans Bischoffshausen*

(Feld am See/Kärnten 1927 - 1987 Villach)

„Champs de l'Energie“
1961
Öl, Zement auf Holz; gerahmt
42 x 74,5 cm
Signiert an der unteren Kante: Bischoffshausen
Rückseitig signiert, datiert und bezeichnet:
Bischoffshausen Paris 1961 Champs de l'Energie

Provenienz

seit Anfang der 1960er Jahre in österreichischem Privatbesitz;
seit ca. 2014 Privatbesitz, Wien

€ 45.000

1959 gewinnt Hans Bischoffshausen den gut dotierten Joanneumspreis und übersiedelt nach Paris, einem der damaligen Zentren für zeitgenössische Kunst. Hier dominieren der Tachismus und das Informel. Sein künstlerischer Weg führt aber in eine gänzlich andere Richtung. Durch seine Freundschaft mit dem Italiener Lucio Fontana ab 1957 kommt er mit dessen „Concetto Spaziale“ in Verbindung, einem radikalen Konzept zu einer gänzlich neuartigen Interpretation der Malerei. Fontana perforiert, zerschneidet seine weitgehend monochromen Bilder und erreicht so eine neue Art der Plastizität, die die zweidimensionale Fläche der Leinwand in eine dritte Dimension überführt. Über seinen Freund kommt Bischoffshausen auch in Kontakt mit der deutschen Künstlergruppe „ZERO“, die 1958 von Heinz Mack und Otto Piene in Düsseldorf gegründet worden war. Die Nachkriegskunst sollte von allem Ballast befreit gleichsam wieder bei Null (ZERO) beginnen. Gleichzeitig sollte eine Alternative zu den dominanten Kunstrichtungen Tachismus und Informel geboten werden. Wichtige Künstler wie Yves Klein, Piero Manzoni oder Antoni Tàpies gehören der Bewegung an und schaffen ein internationales Netzwerk. Diese Zeit bezeichnet Hans Bischoffshausen selbst als den wichtigsten Abschnitt in seinem Schaffen, nur in diesem internationalen Kontext erschließt sich die Bedeutung und Radikalität seines Oeuvres.

„Champs de l’Ernergie“, Energiefelder, betitelt er das 1961 in Paris entstandene Werk, in dem er Weiß auf Weiß mögliche Strukturen erforscht. Diesem Thema widmet er eine ganze Serie von Bildern, die bis weit in die 1960er Jahre hinein einen hohen Stellenwert in seinem Schaffen einnehmen. Wie kleine Verwerfungen, wie Sanddünen oder Wellen, wandern die zahlreichen sichelmondförmigen Formen von unten nach oben über das Bild. An manchen Stellen verdichten sie sich zu Gruppen, an anderen bleibt der weiße Grund glatt und ruhig. Die Energie, die Bischoffshausen im Titel einfängt, ist in dieser Komposition deutlich spürbar, in der der Künstler Bewegung, Zeit und Raum zu einer Einheit verschmilzt. „Der Träger des Bildes ist also ein Raum, der nicht mehr länger nur ein möglicher fiktiver Raum ist, sondern zum pysischen erlebbaren Raum wird.“ (Peter Weiermair, Die Überwindung des Bildes, in: Hans Bischoffshausen. Bilder 1951 – 1982. Ausstellungskatalog, Galerie Elisabeth und Klaus Thoman, Innsbruck 1990) Dabei erschafft der Künstler eine gänzlich neue Bildsprache und erweitert sein Repertoire stets mit neuen Materialien und Bildbearbeitungspraktiken. Hans Bischoffshausens Beitrag zur österreichischen aber auch internationalen Kunstentwicklung der 1950er und 1960er Jahre muss einmal mehr in seiner Bedeutung hervorgehoben werden. (Sophie Cieslar)