Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

19. Juni 2018, 18:00 Uhr

0385

Jean ( Hans ) Egger

(Hüttenberg 1897 - 1934 Klagenfurt)

„Signe“
um 1930
Öl auf Leinwand
47 x 39 cm

Provenienz

Sammlung Björnson-Langen, Norwegen, direkt vom Künstler erhalten;
Privatbesitz, Tirol

Ausstellung

1995 Wien, Österreichische Galerie Belvedere, Jean Egger, Kat.-Nr. 25, Abb. S. 64;
1995 Frankfurt, Kat.-Nr. 25, mit Abb.;
2001 Mantua, Casa del Mantegna, Egger, Abb. S. 82

Literatur

Jean Egger 1897-1934, Ausst.-Kat. Österreichische Galerie Belvedere, 186. Wechselausstellung, Wien 24. 03. - 14. 05. 1995, Kat.-Nr. 25 (Abb.);
Matthias Boeckl, Jean Egger 1897-1934, Kunstinitiative Tirol, Innsbruck 2000, Abb. S. 198

€ 20.000 - 40.000

Die Werkserie der Signe Porträts von Jean Egger setzte mit Beginn der näheren Bekanntschaft in Paris um 1925 ein und endete mit seinem frühen Tod im Jahr 1934. Niemals verließ ihn in dieser Periode die Faszination für die Lebensgefährtin Signe Wallin, die, wie er von auswärts kommend - er aus Kärnten, sie aus Schweden – mit ihm in der Metropole Paris die künstlerische Selbstverwirklichung anstrebte. Dabei war die multikulturelle und kreative Pariser Kunstszene der 20er Jahre mit ihrer freudianischen Fokussierung der Sexualität und des Weiblichen z. B. bei den Surrealisten ein inspirierendes Umfeld für den aus dem ländlichen Raum stammenden, aufgeschlossenen jungen Künstler. Obsessiv malte er ihr Bildnis, sowohl ganzfigurig als Akt, als auch in zahllosen Variationen ihres Antlitzes. Aktdarstellungen waren eine Spezialität des multinationalen Künstlerkreises des Quartier de Montparnasse, bei Amedeo Modigliani und Jules Pascin u. a. Egger wohnte damals in der Nähe des Gare de Montparnasse. Aber auch Georges Braque malte in den 20er Jahren einige fast monumental zu bezeichnende weibliche Akte, die in ihrer subtilen Linearität mit jenen Eggers verwandt scheinen.
Charakteristischer Weise hat man bei den Bildnissen Signes oft das Gefühl, dass es sich nicht um die gleiche Persönlichkeit handelt, so facettenreich erscheint ihre Interpretation. Die Intensität des seelischen Ausdrucks findet im malerischen Duktus ein ideales Äquivalent, wobei Egger die Pinselzüge gerne unabhängig von der deskriptiven Form abschweifen lässt. Diese malerischen Impressionen der jeweiligen Gemütsverfassungen Signes verlieren in der freien Interpretation Eggers die haptische Basis des stereometrischen Gebildes, sodass der spielerische Eindruck freier Farbabstraktion entsteht. Denn charakteristischer Weise fehlt eine statische Verankerung des malerischen Gebildes in der Fläche, sodass der seltsam richtungslose, jedoch intensive Blick den einzigen Anhaltspunkt für den Betrachter bietet. Durch die pastellartigen Farbtöne, welche rein optisch den Eindruck des Fleischlichen und die taktile Sensibilität der Haut suggerieren, handelt es sich bei diesem virtuosen Bildnis um eines der schönsten aus der Reihe. Egger malte es am Höhepunkt seiner Karriere als erfolgreicher Maler, der im Salon des Tuileries ausstellte, sowie 1930 eine Einzelausstellung in der Galerie Sloden in Paris, Faubourg Saint-Honoré bestritt. 1929 erhielt er auf Vermittlung des österreichischen Botschafters in Frankreich, Dr. Alfred Grünberger, eine staatliche Auszeichnung mit der „Silbernen Palme“ und den Titel eines „Officier d´Académie“. Sein Aufstieg in allerhöchste Gesellschaftskreise, wie die Familie des Bruders des französischen Präsidenten Georges Clemenceau hinderte ihn nicht an der Entfaltung des freien künstlerischen Lebens in der Pariser Bohème. (Cornelia Cabuk)