Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

19. Juni 2018, 18:00 Uhr

0384

Albin Egger-Lienz

(Stribach bei Lienz 1868 - 1926 St. Justina bei Bozen)

„Bauernkopf aus "Das Leben"“
1918-1920
Öl auf Leinwand
46,5 x 41 cm
Signiert rechts unten: Egger-Lienz

Provenienz

europäischer Privatbesitz;
Auktionshaus im Kinsky, 11. 10. 2005, Nr. 220;
österreichische Privatsammlung

Literatur

Vergleiche: Wilfried Kirschl, Albin Egger Lienz. Das Gesamtwerk. Band II, Wien 1996, S. 553, vgl. M 433 und M 434 (Kopf eines bärtigen Bauern, 1918/19 und Bauernkopf, 1918)

€ 60.000

In der dichten Lebensphase um 1910 zwischen möglicher Berufung als Professor an die Wiener Akademie, Übersiedlung von Wien nach Hall in Tirol und Berufung an die Kunsthochschule in Weimar gestaltet Egger-Lienz eine monumentale Komposition, mit der er ein allgemeingültiges Symbolbild für das bäuerliche Dasein vorlegen möchte: „Die Lebensalter“ bzw. „Das Leben“.
Wie zuvor bereits Künstler wie Millet, Meunier, Segantini oder Hodler ist Egger fasziniert vom „erdverbundenen“ bäuerlichen Leben. Nicht die Großstadt, sei es München oder Wien, wo er über einen langen Zeitraum lebt, sondern das Land, aus dem er stammt, bildet für ihn die Grundlage seines Schaffens. Weit ausgeprägter noch als etwa beim Schweizer Ferdinand Hodler, zu dessen „Stilkunst“ er in der mittleren Periode formale Überschneidungen zeigt.
Das Schöpfen „aus eigener Quelle“ – verbunden mit zunehmend modernen Gestaltungsansätzen – sieht der Maler als Voraussetzung, sich in die essentiellen Grundbedingungen des Lebens zu vertiefen: „Er hätte auch mittels irgendeines anderen Milieus und zu jeder beliebigen Zeit oder in jeder Art Kleidung das allgemein Menschliche, die Größe und Dramatik dessen, was er im Menschendasein erblickte, aussagen können,“ fasst es die Tochter Ila später zusammen.
Nachdem Egger-Lienz das in Kasein ausgeführte „Leben“ 1912 auf der Großen Kunstausstellung in Dresden zeigen kann (später mehrfach überarbeitet, 1934 für die Österreichische Galerie erworben), greift er auch einzelne Figuren des Bildes heraus, um daraus eigenständige „Bauernköpfe“ zu gestalten. Vom Bauern, der im Zentrum des Bildes zusammen mit der schwangeren Frau die Lebensmitte darstellt und für den ein Ötztaler Bauer namens Ehrenreich Brugger Modell stand, sind vier Fassungen bekannt. Gegen Ende des Jahrzehnts setzt der Maler das Motiv in drei weiteren Fassungen in die weiter entwickelte, expressiv gehärtete Bildsprache um. So zeugt das vorliegende Werk auf exemplarische Weise von den abstrahierten malerischen Qualitäten, zu denen Egger-Lienz in der späten Schaffensphase gelangt ist. Mit sparsamsten Mitteln ist der kantige Kopf modelliert, sind helle und dunkle Partien spannungsreich kombiniert und das Ganze in ein Stück reine Malerei umgesetzt, das über das konkret Dargestellte weit hinausreicht. Gerade in seiner Konzentration wird der „Bauernkopf“ – weit mehr noch als das große Bild „Das Leben“ – zu einem Symbol für das rätselhafte „Menschendasein“. (Carl Kraus)