Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

19. Juni 2018, 18:00 Uhr

0432

Alfred Wickenburg*

(Gleichenberg 1885 - 1978 Graz)

„Brücke am Arno“
1922
Öl auf Leinwand
68 x 80 cm

Provenienz

Privatbesitz, Graz;
Auktionshaus im Kinsky, 2. 12. 2008, Nr. 53;
österreichische Privatsammlung

Ausstellung

1955 Salzburg, Galerie Welz;
1955 Graz, Künstlerhaus;
1977 Wien, Österreichische Galerie Belvedere

Literatur

Peter Szyszkowitz, Der Maler Alfred Wickenburg. Unveröffentlichte Hausarbeit zur Erlangung der Lehrbefähigung an mittleren und höheren Schulen, Wien 1961, Abb. 3;
Wilfried Skreiner, Alfred Wickenburg. Der Maler und sein Werk, Graz / Wien / Köln 1972, Abb. 8;
Otmar Rychlik u. a., Alfred Wickenburg 1885 - 1978. Das künstlerische Werk 1905 - 1945, Wien 1996, WV Ö42, Abb. S. 67 und sw-Abb. S. 224 ;
Agnes Husslein-Arco und Eleonora Louis (Hg.), Alfred Wickenburg. Variationen der Moderne, Ausst.-Kat. Museum der Moderne Salzburg Rupertinum, 2. Oktober 2004 - 16. Jänner 2005, Abb. S. 80
Stella Rollig (Hg.), Alfred Wickenburg. Monografie und Werkverzeichnis, Wien 2018 , S. 104, WV-Nr. GE 44

€ 35.000

Der Künstler Alfred Wickenburg wird am 26. Juli 1885 im steiermärkischen Bad Gleichenberg geboren. Seinen ersten Zeichenunterricht erhält er im Alter von 20 Jahren an der Azbéschule in München. Im Anschluss nimmt er bis 1909 das Studium in Paris an der Académie Julian auf. Daraufhin zieht es ihn nach Stuttgart, wo er 4 Jahre lang bei Adolf Hölzel und Christian Langenberger lernt. Ab 1918 ist er freischaffender Künstler in Graz.
Dort wird er ab 1934 für drei Jahre Professor für Landschafts- und Stilllebenmalerei an der Landeskunstschule und ab 1936 hat er die Professur für Zeichnen an der Landschaftlichen Freskoschule inne. Wickenburg ist 1939 und ab 1945 Mitglied der Wiener Sezession und ist Mitbegründer der Grazer Sezession – später wird er deren Ehrenpräsident. Im Jahr 1957 wird Wickenburg der österreichische Kunstpreis verliehen. Die Werke Alfred Wickenburgs wurden europaweit ausgestellt.
1978 stirbt Wickenburg in Graz. (Anna Katharina Erdkamp)

"Das Bild entstand 1922 während eines Aufenthaltes in Florenz. Es ging Alfred Wickenburg weniger um die realistische Wiedergabe der Brücke am Arno, als um die Reduzierung des optischen Eindruckes auf geometrische Grundformen. Die am Ufer gelegene Baumreihe wurde vom Künstler dominant ins Bild gesetzt. Brücke, Bäume und Fluß erscheinen formal so weitgehend integriert, daß es schwer fällt sie voneinander zu unterscheiden. Das Ufer, der Fluß, die richtungskreuzende Brücke und die bildparallel verlaufende Baumgruppe erhalten ihre Spannung aus Formkontrasten und hart aneinander stoßenden Flächen. Die visuelle Erfahrung wird von den Konsequenzen der Bildstruktur absorbiert.

Die abstrahierende Formensprache zeugt von Alfred Wickenburgs Auseinandersetzung mit dem Kubismus. Es handelt sich um den Versuch, das Thema des Raumes und des Volumens neu zu formulieren. Die Farbpalette beschränkt sich auf blaue und bräunlich-graue Töne. Runde Formen treten zugunsten eckiger zurück. Nur die Bäume am Ufer sind kugelig ausgebildet, im Gegensatz dazu steht der tektonisch-kantige Aufbau der Uferpromenade und der Brücke."
(Elisabeth Enzinger, Die frühen Jahre 1904-1923, in: Otmar Rychlik u. a., Alfred Wickenburg, Wien 1996, S. 66)