Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

19. Juni 2018, 18:00 Uhr

0381

Anton Faistauer

(St. Martin bei Lofer 1887 - 1930 Wien)

„Blumenstillleben - Blumen und Äpfel“
1914
Öl auf Leinwand
91 x 62 cm
Signiert und datiert links unten: A. Faistauer 1914
Monogrammiert rechts oben: Af.
Bezeichnet rückseitig auf Keilrahmen: A. Faistauer Blumen und Äpfel / Wien IV Floragasse 7, 1.500 K / verkäuflich
altes Etikett auf Keilrahmen rückseitig: 1194 / Faistauer

Provenienz

österreichische Privatsammlung

Wir danken Dr. Nikolaus Schaffer für die wissenschaftliche Unterstützung und die wertvollen Hinweise.

Schätzpreis: € 70.000 - 140.000
Ergebnis: € 85.000
Auktion ist beendet.

Schon vor dem ersten Weltkrieg war Faistauer sehr erfolgreich und als Künstler der österreichischen Avantgarde etabliert. Ein gutes Netzwerk aus wichtigen Sammlern sicherte ihm einen treuen Käuferkreis. Auch die österreichische Galerie kaufte 1913 erstmals ein Gemälde des bedeutenden österreichischen Expressionisten an.
Das wunderbare Stillleben "Blumen und Äpfel" aus dem Jahr 1914 zeigt Faistauers Malerei auf einem frühen künstlerischen Höhepunkt. Die Zeit der Selbstfindung als Maler lag hinter ihm: frustrierende Jahre an der Akademie, die er schließlich enttäuscht verlassen hatte, um aus Protest gegen den konservativen Kunstbetrieb gemeinsam mit Egon Schiele die "Neukunst-Gruppe" zu gründen, für deren erste Ausstellung 1909 in der Wiener Galerie Pisko Faistauer das Plakat entwarf. Nach der Abkehr von der Flächenkunst des Jugendstils fand Faistauer in Auseinandersetzung mit Paul Cézanne, der prägenden Künstlerfigur der französischen Moderne, seine eigene künstlerische Sprache. Seine Porträts, Landschaften und Stillleben beziehen ihre Kraft aus der expressiven Farbe, einem bevorzugt dunklen, geheimnisvollen Kolorit mit unruhigen, bewegten Pinselstrichen.

Die Blumen in der grünlichen Vase sind zwar zentral im Bild platziert und wohlkomponiert, dennoch wirken sie nicht wie ein streng geordnetes Bouquet, sondern sind in ihrer Fülle und Pracht dynamisch und bewegt, als wären sie voller Eigenleben streben sie nach allen Richtungen. Die Präsenz von farbkräftigen Blumen und Früchten wird durch den flächigen, nicht näher definierten dunklen Hintergrund noch gesteigert.
(Claudia Mörth-Gasser)