Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

19. Juni 2018, 18:00 Uhr

0339

Carl Moll

(Wien 1861 - 1945 Wien)

„Hofgastein, Fensterblick“
1934
Öl auf Holz
35,5 x 34 cm
Monogrammiert rechts unten: CM
Rückseitig betitelt: Hofgastein Fensterblick I

Provenienz

aus dem Nachlass des Künstlers;
Privatbesitz, Wien

Das Gemälde wurde von Cornelia Cabuk für das Werkverzeichnis Carl Moll in der Reihe der Belvedere Werkverzeichnisse dokumentiert.

€ 65.000

Carl Moll hielt sich in den dreißiger Jahren drei Mal in Bad Hofgastein auf. 1934 verweilte die Familie Moll im Kurhaus „Haschke“, dem späteren Luisenhof, am Ortsrand gelegen. Während Carl und Anna Moll davor die Wintermonate gemeinsam mit dem Kunstschriftstellers Julius Meier-Graefe und seiner Frau im Süden Frankreichs verbracht hatten, suchten sie nun aufgrund der angegriffenen Gesundheit Anna Molls das näher gelegene Erholungsgebiet im Land Salzburg auf.
„Ich male den Blick aus unserem Fenster meiner Frau zur Erinnerung“, schrieb Moll in seiner Autobiografie „Mein Leben“. Moll malte den Fensterblick zumindest zwei Mal, wobei er in der Tradition der Impressionisten jeweils den unterschiedlichen Lichteinfall und die Atmosphäre in feinen Farbtonnuancen festhielt. Dabei gelangen ihm suggestive Stimmungsbilder, welche durch den temperamentvollen, freien Duktus seines Spätwerks mit authentischem Leben erfüllt sind. Eine besondere malerische Herausforderung bedeuteten ihm Sonnenreflexe, durchwirkt von grün-schattigen Zonen, welche in den Mulden der Berghänge nahezu abstrakte malerische Gebilde hervorriefen. In einer Liste im Carl Moll Nachlass scheint ein Gemälde „Hofgastein, Fensterblick“ auf, welches mit großer Wahrscheinlichkeit identisch ist mit diesem, von Carl Moll eigenhändig rückseitig „Hofgastein, Fensterblick I“ bezeichneten Werk.
In seiner Entwicklung waren für Moll vor allem zwei Künstlerpersönlichkeiten von Bedeutung: sein Lehrer Emil Jakob Schindler und Gustav Klimt. Während er sich vom Stimmungsimpressionismus zunehmend entfernte, faszinierten ihn immer mehr die Leuchtkraft der Farben und das kraftvolle Kolorit der Franzosen. Im Vorjahr hatte er das Haus Renoirs in Cagnes-sur-Mer besucht, wo dieser bis zu seinem Tod 1919 gelebt hatte. Das quadratische Format des Fensterblicks erinnert jedoch vor allem an Klimts Landschaften am Gardasee. Der geometrisch eingefasste Blick in die freie Natur erhält in der kubischen Dachlandschaft ein weiteres Element der Stilisierung. Diese Revision der Wiener Jugendstilmalerei hat Moll mit modernen Elementen durchsetzt und neu belebt, wobei er sich gerne von der jungen Generation der österreichischen Maler, wie z. B. Robin Christian Andersen anregen ließ. (Cornelia Cabuk)