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Auktion: Zeitgenössische Kunst

06. Dezember 2017, 18:00 Uhr

Objektübersicht
Objekt

0610

Günter Brus*

(Ardning 1938)

„Angst, 9er Zyklus“
1982
Graphit auf Papier; gerahmt
je 28,5 x 20,5 cm
Bezeichnet, datiert und signiert auf dem ersten Blatt: Angst 1982 g. Brus

Schätzpreis: € 20.000 - 40.000
Ergebnis: € 20.000

„Brus zeigt mir die Schönheit der Abgründe, die Seiltänze, die Auflösung, die Überschreitung des Grenzgängers, die Zerstörung, aus der sich immer wieder eine neue Welt schafft. Wo er mit dem Text aufhört, setzt oft das Zeichnerische ein – oder es bricht ab – und der Text erzählt von anderswo. Dazwischen findet man sich, kann sich abwenden oder bewegen, hineingenommen in einen Vorgang innerhalb von Text und Bild, ohne den man sich so nie im Bilde befände.“ (U. Neuroth)

In der „Verschwisterung von Sicht- und Denkweisen“, wie Brus seine Bild-Dichtungen, die seit den 1970er Jahren in hunderten von Arbeiten erschienen - einmal charakerisierte - schlägt sich sein Zweifel an der alleinigen Aussagekraft von Text und Bild nieder. Ohne Sprache sei das Bild ein Allerweltsbild, vogelfrei und auf der Abschußliste. […] Brus - ob damals Aktionist oder heute als Bild-Dichter – entkleidet die Dinge ihrer selbstverständlichen Erscheinungsweise und bricht die Unmittelbarkeit des Eintretens in die Wahrnehmung auf. Die „Weltbildturbine“ wird angehalten. Um Strich, Wort und Figur entstehen Schock und Stille. Jenseits verbissener Bemühungen um Aktualität geht durch Brus' Bild-Dichtungen der Blick des heutigen Menschen, eine komplexe „Weltschau“ oder besser ein „Weltschauder“, wie er seine Kunst einmal bezeichnet hat. (Johanna Schwanberg, zitiert aus: PARNASS 2/97, S. 60 - 65).