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Auktion: Zeitgenössische Kunst

06. Dezember 2017, 18:00 Uhr

Objektübersicht
Objekt

0603

Günter Brus*

(Ardning 1938)

„Nabelstromdelta, 10er Zyklus“
1997
Ölkreide, Buntstift auf Büttenpapier; gerahmt
je 65 x 50 cm
Signiert und bezeichnet auf dem ersten Blatt: g. Brus Nabelstromdelta

Provenienz

Privatsammlung, Deutschland

Schätzpreis: € 50.000 - 100.000
Ergebnis: € 65.000

Den zehnteiligen Zyklus „Nabelstromdelta“ vollendete Günter Brus auf der Insel Gomera im Winter 1996. Der Titel steht in großen Lettern und mit blauer Kreide auf Ingrespapier auf der ersten Seite, dramatisch erhöht durch die scharfe Diagonale einer gespreizten, skelettartigen Hand. In einem schriftlichen Interview mit Johanna Schwanberg hielt er den Moment der Entstehung fest: „Meine letzte größere Bild-Dichtung trägt den Titel Nabelstromdelta und ist unserer gomeranischen Hauskatze Nubi zugeeignet. Sie lief uns als Miniaturausgabe eines Katers zu, da wir gerade mit Freunden in ein Geplauder über allerlei miserable Weltzustände, Leibkrankheiten und über die „Strömungslehre“ RANG DRÖL geraten waren.[…]Dieses pratzenesoterisch angefauchte Erlebnis ließ ich, ausgehend vom tibetischen Nabelstrom, deltaförmig in meine Bild-Dichtung einfließen.“ Aber wenige Zeilen später relativierte Brus diese Einleitung, denn „Letzten Endes können solch bemüht detaillierte Auskünfte über die Entstehungsgeschichte einer Bild-Dichtung genauso wenig klare Konturen vorweisen wie der fließende Strom, der vom Delta-Rachen des Meeres verschluckt wird.“ (Günter Brus, Fax an Johanna Schwanberg, 24. 2.1997)
Wie generell bei den Brus’schen Bild-Dichtungen erscheinen Menschen und Tiere in ihren sprechenden, blickenden und handelnden Momenten. Sie werden jedoch nicht unmittelbar in einen erzählerischen oder gedanklichen Zusammenhang gestellt. Vielmehr verweilt Günter Brus in einem Augenblick, einer Perspektive und stellt solche Momente im Lauf der Bild-Dichtung in eine serielle Text-Bild-Folge. (Johanna Schwanberg, zitiert aus: PARNASS 2/97, S. 60 - 65).