Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

06. Dezember 2017, 18:00 Uhr

0621

Hans Staudacher*

(St. Urban 1923 - 2021 Wien)

„Raum im Rot; Secession“
1985
Öl auf Leinwand; ungerahmt
100 × 120 cm
Signiert und datiert unten mittig: Staudacher 85
Bezeichnet und datiert unten mittig: Secession 85
Rückseitig bezeichnet, signiert und datiert: "Raum im Rot", H. Staudacher, 1985 Secession

Provenienz

Galerie Hilger;
seit 2008 Privatbesitz, Wien

€ 13.000

„Abstrakte Kunst ist Handschrift, Farbe, Tanz, Spiel, Zeichen, Einfall, Rede, Wort, Überfluß, Bewegung, Geschwindigkeit“ schreibt Hans Staudacher 1960 einleitend in jenem Manifest, in dem er sein künstlerisches Credo formuliert. Dessen Leitsatz lautet: „Malerei und Poesie erzählen nicht mehr, sie handeln.“ (Hans Staudacher, zitiert in: Ernst Hilger (Hg.), Hans Staudacher. Die Kraft der 50er Wien Paris, Wien 1997, S. 11)

Nach Anfängen in der gegenständlichen Malerei wandte sich Staudacher ab 1950 der Abstraktion zu. Während längerer Arbeitsaufenthalte in Paris zwischen 1954 und 1962 wurde für ihn der französische Tachismus prägend und vor allem die Werke von Georges Mathieu waren richtungsweisend für seinen weiteren künstlerischen Weg. Er entwickelte in diesem Zeitraum seine ganz persönliche Handschrift und individuelle Ausformung des Informel. Malerei bedeutet für Staudacher Aktion: der Rhythmus der Hand und die Bewegung des Körpers bestimmen den Malprozess. Die den Bildern zugrundeliegende innere Gestik sowie deren abstrakte Begrifflichkeit orientieren sich dabei stets an den Erfahrungen der Wirklichkeit. Bei der Umsetzung der Eindrücke und Empfindungen sind Spontaneität, Improvisation und Schnelligkeit wesentlich.

Das vorliegende Bild mit dem Titel „Raum im Rot“ ist ein charakteristisches Beispiel für Staudachers Formensprache, die gleichermaßen malerische wie grafische Elemente beinhaltet. Die großzügig gesetzten Buchstaben und Zahlen überlagern den durch Farbkleckse, Flecken, Linien und gestische Zeichen entwickelten Bildraum. Die Aktion konzentriert sich auf die Bildmitte, wo es zu einer dynamischen Verdichtung und kraftvollen Zusammenballung kommt. Es entsteht ein Rhythmus von Formen und Kürzeln, die sich gegenseitig in Schwingung versetzen.

„Secession“ kommt in Staudachers Œuvre häufig als Bildtitel oder Wortelement vor. Dies ist ein Hinweis auf jene Bedeutung, die die Wiener Secession für seinen künstlerischen Werdegang gehabt hat. Als der Autodidakt Staudacher 1950 von Kärnten nach Wien übersiedelte, trat er der Künstlervereinigung bei und fand dort seine künstlerische Heimat. Die Freiheit, die den Künstlern gewährt wurde, kam seinem Naturell ebenso entgegen wie seiner Arbeitsweise. Wichtige Aktionen fanden in der Secession statt und er beteiligte sich maßgeblich an der künstlerischen Ausgestaltung der legendären Künstlerfeste der 1950er und 1960er Jahre. Darüber erzählt er: „Es waren Happenings mit Ton, Musik, mit Projektionen, Farbmalerei, ich hab grüne, rote, blaue Räume geschaffen in der Secession, wir konnten uns austoben bei den Festen, da hat uns das ganze Haus gehört.“ (Hans Staudacher, zitiert in: Ernst Hilger (Hg.), Hans Staudacher. Die Kraft der 50er Wien Paris, Wien 1997, S. 122)

Als Hans Staudacher dieses Bild 1985 malte, hatte sein kommerzieller Erfolg in Österreich gerade erst begonnen. Während er in Paris seine Bilder bereits in den 1950er und 1960er Jahren erfolgreich verkaufen konnte und sein Werk schnell internationale Beachtung fand, blieb eine größere Anerkennung in Österreich lange aus. Heute zählt er unbestritten zu den wichtigsten Vertretern des österreichischen Informel und nimmt eine führende Position in der österreichischen Kunstentwicklung nach 1945 ein. (Birgitta Kager)