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Auktion: Zeitgenössische Kunst

06. Dezember 2017, 18:00 Uhr

Objektübersicht
Objekt

0671

Hans Staudacher*

(St. Urban 1923 - 2021 Wien)

„o.T.“
1987
Öl auf Leinwand; ungerahmt
200 × 170 cm
Datiert rechts unten und oben mittig: 1987
Rückseitig zweifach signiert und einmal datiert: H. Staudacher 1987

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

Literatur

Hans Staudacher. Prinzip Informel, Verlag Galerie Ernst Hilger, Wien 2001

€ 27.000

"Ich bin einer der vom Gegenstand her kommt, daher ist für mich der Fleck allein auch schon Gegenstand. Wenn ich den Pinsel in die Hand nehme, ist das ein Gegenstand mit dem ich das mache, so wie es die Asiaten machen, jeder Strich, jede Punktion ist wie bei einem Schlagzeuger, der sich da verschiedene Trommelwirbel und die Trommel aussucht, so ist das für den Maler die Farbe, mit der man das hertrommelt." (Hans Staudacher)

Wenn auch Staudacher auf Eindrücke und Reize seiner Umwelt bis hin zu politischen Bewegungen vielchichtig und meist verschlüsselt reagiert, so ist seine in vielen Ebenen und Techniken beheimatete Malerei und Graphik immer Produkt einer eher dem "Naturtalent" und Autodidakten als dem Akademiker gegebenen Intuition. "Die spontane Projektion seiner Empfindungen auf die Leinwand", von der einst Wilfried Skreiner sprach, geht auf Staudachers Reaktionsschnelle, die bereits erwähnte Improvisationslust und ein durchtrainiertes Rhythmus- und Bewegungsgefühl zurück, für welches Emotion und Intellekt gleichermaßen verantwortlich sind. Staudachers Spontaneität ist die des ganzen Menschen. Als Künstler und Individuum ist er ebenso offen und verschwenderisch wie direkt, egoistisch und zornig. Er begreift und erlebt diese Welt in Widersprüchen, in ihrem Chaos und in ihrer schöpferischen Unlogik als Brückenbauer und Kommunikationsapostel, der jederzeit selbst abstürzen kann. (Peter Baum in: Hans Staudacher - Prinzip Informel, S. 13f)

Hans Staudacher, einer der wichtigsten Vertreter der informellen Malerei in Österreich, wurde 1923 in St. Urban am Ossiacher See geboren. In den frühen 1950er Jahren trifft Staudacher in Paris erstmals auf Künstler der art informel, die einen Gegenpol zur geometrischen, abstrakten Malerei bildet, und hat somit seinen Stil, seine ganz persönliche malerische Sprache gefunden. Durch seine Werke leistet er einen wesentlichen Beitrag zur europäischen informellen Malerei. Er erhält zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Hauptpreis auf der Biennale in Tokio im Jahre 1965 sowie 2004 das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien. (AP)