Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

05. Dezember 2017, 18:00 Uhr

0375

Franz von Zülow*

(Wien 1883 - 1963 Wien)

„Dorf im Weinviertel“
1930
Öl auf Leinwand
111 × 110,5 cm
Signiert und datiert links unten: Fv Zülow / 30
Ausstellungsetikett Galerie Remmler, Leipzig, rückseitig am Keilrahmen
Originalrahmen

Provenienz

Phillips London, 23. 06. 1997, Nr. 5;
österreichischer Privatbesitz

Wir danken Frau Waltraud Zülow für die freundliche Unterstützung und die wertvollen Hinweise.

€ 35.000*
unter Vorbehalt, Limit € 40.000

Franz von Zülows künstlerische Entwicklung fällt in eine der spannendsten Epochen der österreichischen Kunstgeschichtsschreibung. Mit der Wiener Secession war Wien knapp nach 1900 in den Mittelpunkt des internationalen Kunstgeschehens gerückt. Die Aufbruchsstimmung und Experimentierfreudigkeit im Wien nach der Jahrhundertwende kam dem vielseitig interessierten jungen Künstler sehr entgegen. Als Absolvent der Kunstgewerbeschule hatte er Kontakt zu den führenden Künstlern der Wiener Avantgarde. In den Zwischenkriegsjahren knüpfte er an jenen Expressionismus an, der von Richard Gerstl, Egon Schiele und Oskar Kokoschka geprägt, eine komplett eigenständige Richtung genommen hatte. In den Zwischenkriegsjahren war Zülow Teil der Zinkenbacher Malerkolonie. In dieser losen Gruppierung um Ferdinand Kitt trafen sich ab 1927 Künstler wie Josef Dobrowsky, Ernst Huber, Georg Merkel, Sergius Pauser und andere in Zinkenbach (heute Abersee) am Wolfgangsee, um Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam zu malen.

Das Entstehungsjahr unseres Bildes markiert einen Höhepunkt in der künstlerischen Laufbahn Franz von Zülows. In jenen Jahren war der äußerst gefragte Künstler – auch Malerkollegen sammelten seine Werke – national und international auf zahlreichen Ausstellungen vertreten. Seine Bilder waren in Deutschland, auf der Biennale in Venedig, in London, Paris und den USA zu sehen. 1928 hatte er das erste von insgesamt sechs Mal den Österreichischen Staatspreis erhalten. In jenen Jahren kommt auch der Ölmalerei eine verstärkte Bedeutung zu. Beliebtes Motiv war zunächst das niederösterreichische Haugsdorf mit seinen Weinkellern und Weinstraßen und etwas später das oberösterreichische Mühlviertel, wo der Künstler in Hirschbach ein Sommerhaus besaß. Das „Dorf im Weinviertel“ ist ein schönes Beispiel für jene hervorragenden Ölmalereien, die durch ihren frischen Farbauftrag und ihre ausgewogene Komposition bestechen. „Die Wirklichkeit, mit der uns Franz von Zülow konfrontiert, ist mit einer kindlichen, aufrichtigen Phantasie im Bunde, die sie oft märchenhaft überhöht, ins Reich der Fabel überleitet und mit den wenigen Requisiten auskommt, die einen kleinen dörflichen Platz oder eine schräg verlaufende Kellergasse charakterisieren.“ (Peter Baum, Franz von Zülow. 1883-1963, Wien-München-Zürich 1980, S. 68) Wie bunte Spielzeugklötze türmt der Künstler die Häuser übereinander, am höchsten Punkt thront die Kirche des kleinen Ortes. Umrahmt ist die Architektur von saftigem Grün, das Blattwerk und die Baumkronen mit zügigen Pinselstrichen gemalt. Hier blitzt ein Gelb, da leuchtet ein Türkis aus den Kronen hervor. Die extreme Untersicht verstärkt den Höhenzug im Bild noch, der von der blauen Bergflanke links in der Darstellung noch über den Bildrand hinaus fortgeführt wird. Franz von Zülows außerordentliche technische Vielseitigkeit beweist sich einmal mehr in den wunderbaren, liebevollen Schilderungen ländlicher Architektur, in der Betonung der Schönheit seiner Heimat.
(Sophie Cieslar)