Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

05. Dezember 2017, 18:00 Uhr

0280

Artur Nikodem

(Trient 1870 - 1940 Innsbruck)

„Bauchtanz“
1917
Öl auf Leinwand
52 × 58 cm
Signiert und datiert links unten: A. Nikodem 17
Signiert, datiert und bezeichnet rückseitig: Artur Nikodem / Innsbruck - Tirol / Bauchtanz - Korina 3/7 1917

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

Literatur

Günther Dankl und Elio Krivdic (Hg.), Artur Nikodem. Maler und Fotograf der Moderne, Innsbruck 2017, Abb. S. 108

€ 28.000

„Farben auseinanderhalten – immer, bis ins Dunkelste – jeder Pinselstrich für sich. Aus musikalischem Empfinden größtmögliche Klarheit der Farbe – das rein Wesentliche der Form (…) – größte Ruhe der Wirkung …“ - mit dieser Tagebuchnotiz artikuliert Nikodem schon 1912 sein künstlerisches Credo, das die Kraft der Farbe in den Mittelpunkt des künstlerischen Interesses stellt.

Das Gemälde mit dem Sujet eines orientalischen "Bauchtanzes" spiegelt die Bedeutung, die der Farbe in der Bildstruktur zukommt, deutlich wider: sie avanciert zum primären Ausdrucksträger der flächenhaft-dekorativen Komposition. "Feurige" gelbe Farben betonen den erotischen Tanz der nackten, zur Arabeske stilisierten Schönheit. Die sitzenden, orientalisch gekleideten Musiker mit ihren maskenhaften Gesichtern und die nur schemenhaft angedeutete Hintergrundfolie einer orientalischen Stadt sind in dunkle, warme Brauntöne getaucht. Genau im Bildzentrum setzt der Maler mit der Figur des Trommlers einen kräftigen gelb-orangen Farbakzent.

Artur Nikodem wird am 6. Februar 1870 in Trient geboren. Seine künstlerische Ausbildung erhält er an der Münchner Akademie, wo er Schüler Franz von Defreggers ist. 1908 lässt er sich in Innsbruck nieder. In den zwanziger Jahren gehört Nikodem zu den erfolgreichsten und renommiertesten Künstlern Tirols. Auch wenn er stark in die lokale Tradition des Landes eingebunden ist, setzt er sich stets mit den Errungenschaften der Moderne auseinander, um sie in einer sehr eigenständigen Weise zu interpretieren. Der Einfluss des secessionstischen Malstils zeigt sich schon früh in seiner ornamental-stilisierten Formensprache und der symbolischen Farbgebung. Beim Nazi-Regime stoßen die Bilder Nikodems, der NSDAP-Mitglied ist, auf Ablehnung. Als ihm 1938 vom Münchner Künstlerbund ein Austritt nahegelegt wird, zieht er sich von der Öffentlichkeit zurück. Er stirbt am 10. Februar 1940 im Alter von 70 Jahren. (CMG)