Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

21. Juni 2017, 18:00 Uhr

0815

Wolfgang Hutter*

(Wien 1928 - 2014 Wien)

„Im Garten“
1950
Öl auf Tischplatte; ungerahmt
98,5 × 46 cm
Signiert rechts unten: W. Hutter

Provenienz

Privatbesitz, Kärnten;
2012 Dorotheum, Wien;
Galerie Kaiblinger, Wien;
Privatbesitz, Wien

€ 25.000 - 50.000

1947 schließt sich Wolfgang Hutter der österreichischen Sektion des Art Club an. Dessen Gründer, Gustav Kurt Beck, als Vertreter der abstrakten Malerei und der erste Präsident der Künstlervereinigung, Albert Paris Gütersloh, als Proponent einer realistisch-fantastischen Malerei, markieren auch gleichzeitig die beiden Gegenpole, die die österreichische Kunstszene nach 1945 prägen. Im Kellerlokal des Art Club, dem legendären „Strohkoffer“, finden heftige Diskussionsrunden statt, es wird gestritten und argumentiert, was der richtige Weg der Kunst sein kann, der Gang in die Abstraktion oder das Erschaffen surrealer Bildwelten. Vor allem die Studenten der Akademieklasse von Gütersloh, zu denen auch Hutter gehört, suchen ihre Wurzeln im französischen Surrealismus. Die Wiener Schule des Phantastischen Realismus ist geboren. Neben Wolfgang Hutter gehören Arik Brauer, Ernst Fuchs und Anton Lehmden, alles Gütersloh-Schüler, zu den prominentesten Vertretern dieser Schule.

Eine wichtige Rolle spielt damals auch das französische Kulturinstitut, das schon bald nach Kriegsende Ausstellungen in Wien organisiert, die es den jungen Malern ermöglichen, die Originale der großen Franzosen zu studieren. 1947 zeigt das Museum für angewandte Kunst „Classiques de la peinture française moderne“ mit Arbeiten von Paul Cézanne, der Kubisten, von de Chirico, Max Ernst und Salvador Dali.

„Reiseberichte aus der eigenen Phantasie“ (http://wiev1.orf.at/stories/328624, Stand: 5.5.2017) nennt Wolfgang Hutter seine Malereien. Und diese Fantasie ist überbordend, farbenprächtig und lustvoll, sie führt uns in paradiesische Gärten mit einer wundervollen Pflanzenwelt, bevölkert von zarten Vögeln, bunten Schmetterlingen und menschlichen Wesen, die noch nicht aus diesem Paradies verstoßen worden sind. Hier ist es ein Zwitterwesen aus Baum und Mann, die Verschmelzung von Apoll und Daphne. Apollon, der Gott des Lichtes, der Heilung und des Frühlings wirbt heftig um die Bergnymphe Daphne, die sich seiner ungestümen Liebe nur durch die Verwandlung in einen Lorbeerbaum zu entziehen weiß. Gleichzeitig ist es aber auch ein Sinnbild der perfekten Symbiose von Mensch und Natur, eine erstrebenswerte Harmonie, die Hutter in vielen seiner Darstellungen umzusetzen versteht. Dabei gibt es in seinen „Zaubergärten keine Vergänglichkeit, kein Verwelken und Verblühen“ (Werner Hofmann cit. In: Agnes Husslein-Arco (Hg.), Phantastischer Realismus, Ausstellungskatalog, Belvedere, Wien 2008, S. 27). Ein zartes Lüftchen weht die um den Körper geschlungene Stoffbahn nach oben, ein Zipfel flattert in Richtung des blauen Schmetterlings, der an einer tapetenartig-rosa Baumkrone vorbeifliegt; dahinter zartgrünes Geäst, korallenartig kahl. Schicht um Schicht staffelt Hutter die vegetabilen Formen, ohne einen wirklichen Tiefenraum zu erzeugen. Bühnenartig erscheint uns diese Fantasielandschaft, selbst die Modellierung des männlichen Körpers entsteht durch das Auftragen eines flächigen Musters in verschiedenen Rosa- und Ockertönen. „Aus Staunen entsteht Erstaunliches, das verwundert, bewundert werden möchte: Schauspiel und Bildträume von besonderer Eigenart.“ (Otto Breicha cit. In: Agnes Husslein-Arco (Hg.), S. 156). (Sophie Cieslar)