Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

21. Juni 2017, 18:00 Uhr

0825

Peter Proksch*

(Wien 1935 - 2012 Wolkersdorf)

„Janus Prokreator“
1975
Harzöl, Eitempera auf Papier auf Holzfaser; gerahmt
150 × 150 cm
Signiert und datiert rechts unten: Peter Proksch 1975
Rückseitige Klebeetikette

Provenienz

Privatsammlung, Wien

Literatur

Gustav René Hocke, Peter Proksch. Mythen in neuer Moderne. Zum graphischen und malerischen Werk von Peter Proksch. Wien 1979, Abb. 75, S. 121.

€ 20.000

Janus, der Doppelgesichtige, römischer Gott des Anfangs und des Endes, wird hier als Schöpfergott dargestellt. In der Mitte des Bildes fließt Wasser, als Ursprung allen Lebens aus dem weit geöffneten Maul eines Fratzenkopfes: Ein Maskaron, ein menschen- oder gottähnliches Fabelwesen, das in der Antike oft als Wasserspeier an Brunnen Verwendung fand. Das eherne Profil des Prokreator mit den blicklosen und doch alles sehenden Augen hebt sich vom rotglühenden Grund eines Hölleninfernos ab. Anfang und Ende des Lebens in einem Bild vereint.

Die Form eines Medaillons, das in der Portraitkunst vor allem in der Renaissance häufig Verwendung fand, wird hier eingefasst von gemalten Rankenornamenten, die einen Holzrahmen täuschend echt imitieren, was das Bild zusätzlich in eine zeitlose, ewig gültige Sphäre versetzt. Hier offenbart sich auch die meisterliche Maltechnik Peter Prokschs, eine zeitaufwendige, vielschichtige Lasurtechnik, mittels derer eine ungeahnte Leuchtkraft der Farben und Präzision der Details erreicht wird.

Der Januskopf ist eines der Lieblingsmotive des Künstlers. Immer wieder scheint der römische Gott in seinen Bildern auf. Er ist wesentlicher Bestandteil der sehr persönlichen Symbolik Prokschs. In seinen Fantasiewelten tauchen die verschiedensten mythologischen und biblischen Gestalten auf, das Verständnis seiner Darstellungen setzt aber keineswegs Vorkenntnisse der alten Mythen und Sagen voraus. Vielmehr spricht der Künstler ein tief im Unterbewussten verankertes
archaisches Verständnis an, das uns allen innewohnt. Letztlich geht es ihm um universelle Themen. Dem kommt der Janus als Symbol des Ursprungs allen Werdens und Vergehens, als der, der in die Zukunft und in die Vergangenheit blickt, sehr entgegen.

Peter Proksch „nähert sich in seinen Bildern dem Geheimnis der Welt“ es geht ihm nicht um das Darstellen der Mythen selbst, sondern „die Mythe wird wieder das, was sie war. Seelenerlebnis. Proksch löst sie aus der Starre des ererbten Kulturgutes“ (Alexander Giese, Peter Proksch. Gemälde. Zeichnungen. Gouachen von 1957 bis 1990, Wien 1991, S. 6 f.). In seinen Bildern entwickelt der Künstler eine vollkommen neuartige Ikonographie voller Symbole, magisch, rätselhaft und gleichzeitig offenbarend. (Sophie Cieslar)