Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

20. Juni 2017, 18:00 Uhr

0272

Jean ( Hans ) Egger

(Hüttenberg 1897 - 1934 Klagenfurt)

„Porträt der Madame Clémenceau“
1925
Öl auf Leinwand
82 × 63 cm
Signiert und datiert links unten: J. Egger 25
Rückseitig am Keilrahmen bezeichnet: Portrait d. Madame Clemenceau exposé au Salon des Tuileries 1926 / Egger H.

Provenienz

Sophie und Paul Clémenceau, Paris, direkt vom Künstler erworben;
Fritz und Gertrude Zuckerkandl-Stekel (1895-1981), Paris;
seither im Eigentum ihrer Erben

Ausstellung

1926 Paris, Salon des Tuileries, Palais de Bois, Nr. 662, S. 41

Literatur

Jean Egger 1897-1934, Ausstellungskatalog Österreichische Galerie Belvedere, Wien, 1995, Abb. S. 20;
Matthias Boeckl, Jean Egger 1897 - 1934, Götzens (Kunstinitiative Tirol) 2000, Abb. S. 38

Das Gemälde wurde von Cornelia Cabuk für das Werkverzeichnis Jean Egger in der Reihe der Belvedere Werkverzeichnisse dokumentiert.

€ 50.000

Jean Egger malte das Porträt der Madame Clémenceau schon kurz nach seiner Ankunft in Paris, wo er von 1925 bis 1932 lebte. Sophie Szeps-Clémenceau (1862-1937), die ältere Schwester von Berta Zuckerkandl und Ehefrau von Paul Clémenceau, dem Bruder des späteren französischen Ministerpräsidenten, war eine prägende Figur der Pariser Kulturszene. Sie führte in der französischen Hauptstadt einen bedeutenden Kunstsalon, in dem die künstlerische Avantgarde verkehrte. Als Mäzenin interessierte sie sich besonders auch für österreichische Künstler, die nach Paris kamen, um in der Kunstmetropole Fuß zu fassen. Jean Egger fand rasch Eingang in den illustren Kreis um Madame Clémenceau. Durch seine Bekanntschaft mit ihr gelang es ihm, viele Kontakte in der gehobenen Gesellschaft zu knüpfen und eine lukrative Klientel für sich zu gewinnen. Sophie Clémenceau vermittelte Jean Egger eine Reihe von Porträtaufträgen prominenter Persönlichkeiten, durch die er sich eine Reputation als begabter Porträtist sicherte. Das Gemälde ist mit seinen bewegten Farb- und Strichrhythmen, der luftig-lockeren Malweise und der subtilen Charakterisierung der Dargestellten ein wunderbares Beispiel für die Virtuosität der Porträtmalerei Jean Eggers.

Das Bildnis von Madame Clémenceau wurde 1926 im Salon des Tuileries in Paris gemeinsam mit Jean Eggers Porträt von Paul Clémenceau ausgestellt, danach jedoch nicht mehr öffentlich präsentiert. Als Auftragswerk blieb es bis zum Tod von Sophie Clémenceau in deren Sammlung. Als Paul Clémenceau 1946 starb, erbten das Bild Sophies Neffe Fritz Zuckerkandl und dessen Frau Gertrude, die nach dem Anschluss Österreichs an das Nazi-Deutschland 1938 nach Paris emigriert waren. Seither befand sich das Bild im Eigentum der Familie Zuckerkandl. (CMG)