Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

30. November 2016, 18:00 Uhr

1035

Rudolf Hausner*

(1914, Wien - 1995, Wien)

„Schmetterlingsbaum“
1978
Hartfaserplatte mit Papier kaschiert, Acrylfarben, Harzöllasuren; gerahmt
44,5 × 63,5 cm (Ausschnitt)
Signiert und datiert rechts oben: R. Hausner 78

Provenienz

Privatbesitz, Wien

€ 50.000

Der Schmetterling als Wunderwerk der Natur, als ein „der Metamorphose unterworfenes Tier, das als Imagine ‚aufersteht’“ (Dolf Lindner) wird als Motiv in einigen Arbeiten Rudolf Hausners zum Inbegriff des Schönen. Der hier vor dem atmosphärischen Blau des reinen, lichten Himmels aus einem kargen, vielleicht auch bedrohlichen Krater aufsteigende Schmetterling öffnet seine Flügel in voller Entfaltung. Diesen in der Natur flüchtigen Augenblick des Erstaunens hält Rudolf Hausner in seinem Bild fest.

Als Gründer der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, und dem Surrealismus, eng verbunden, gelingt es Hausner in seinem Werk, die intellektuelle, analytische Erforschung seines eigenen Bewusstseins wie seines Unterbewusstseins in Anlehnung an die Malerei der Renaissance klar strukturierte, in ihren Details intensive Bildwelten zu transportieren. Zwischen Renaissance und Neuer Sachlichkeit bewegt sich seine Malweise, aber auch seine Motivwahl, die sich weniger im Bereich einer Traumwelt, als einer wachen Innenschau bewegt sowie in einer kritisch-analytischen Erfahrung der Gegenwart.

Die hier vollzogene Einheit des fest verwurzelten Baumes mit dem zwar zarten, in seiner Verwandlungsenergie und Schönheit jedoch überaus kraftvollen Schmetterlings bringt einen Lebensbaum besonderer Art hervor. Hausner wählt zudem mit der dynamischen Asymmetrie der Flügelmuster ein schillernd phantastisches Element der Individualisierung. Der traditionell als Symbol für Vergänglichkeit und Wandel, aber auch für Transzendenz angesehene Falter verbindet Himmel und Erde, oder aber Innen und Außen des Menschen und seiner Seelenzustände. In der griechischen Mythologie ist der Schmetterling als „Seelenvogel“ zudem Attribut der überirdisch schönen Göttin Psyche (griechisch= Seele, Schmetterling).

Der „Schmetterlingsbaum“ zeigt die exquisite malerische Meisterschaft Hausners in seiner minutiösen Beobachtung der Texturen, der Wesenhaftigkeit der Motive und des farblichen Nuancenreichtums. Innerhalb seines Oeuvres repräsentiert das Gemälde eine charakteristische Arbeit der späten 1970er und der frühen 1980er Jahre. Das ikonenhafte Bild „Baum der Liebe“ mit Adam (das Leitmotiv und alter ego Hausners) und Anima (1979), sowie zahlreiche Varianten der „Schmetterlingsfrau“, „Mädchen suchen Muscheln“ (1980), „An einem schönen Ufer“ (1981) sowie „In Portugal“, ebenfalls von 1982, aber auch eine weitere Variante des Schmetterlingsbaumes, betitelt „Glückliche Landschaft“ von 1982 (Kinsky, 69. Kunstkauktion, 2008, Lot 0412) verwenden den bunten Falter als Ausdruck blühenden Lebens im Hier und Jetzt, aber auch als ewiges Prinzip. (Claudia Lehner Jobst)