Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

30. November 2016, 18:00 Uhr

1099

Max Weiler*

(Absam bei Hall i. Tirol 1910 - 2001 Wien)

„Durchblick durch blaue Gegend“
1975
Eitempera auf Leinwand; gerahmt
105 × 130,5 cm
Signiert und datiert rechts unten: Weiler 1975
Rückseitig signiert und datiert auf der Leinwand: Max Weiler 1975
Rückseitig auf Keilrahmen betitelt: "Durchblick durch blaue Gegend"

Provenienz

Privatbesitz, Österreich

Ausstellung

1991 Prag, Nationalgalerie;
1992 Alpbach, Österreichisches College

Literatur

Otto Breicha, Weiler. Die innere Figur, Galerie Welz Salzburg, Wien 1989, Abb. S. 308, 309;
Gottfried Boehm, Gerhard Roth (Hg.), Weiler. Das Spätwerk 1973-1991, Ausstellungskatalog, Prager Nationalgalerie, Waldstein-Reitschule, Prag 1991, Abb. S. 33;
Max Weiler. Himmelsluft und Wolkenart, Ausstellungskatalog, Österreichisches College, "Europäisches Forum Alpbach", Alpbach 1992, Abb. S. 27

Das vorliegende Bild wird in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis von Max Weiler aufgenommen.

€ 120.000

Die wirklich wesentlichen Dinge, die man aussagt, drücken sich nicht im
Inhalt des Bildes, sondern in seiner Form aus. Diese muß man erkennen.
Diese Form sagt das wirklich Wesentliche über den Maler aus. Meine Form:
Das Schwebende, Luftige, das nicht Fleischige, Steinerne, das nicht vom
Menschen Handelnde, nicht Wuchtige, Schwere, Blutige. Das Pflanzliche.
(Max Weiler 1973)

Das vorliegende Gemälde ist als eines der bedeutendsten Werke im überaus reichen Schaffen das Malers Max Weiler zu bezeichnen. Es gehört zum Zyklus der „Neuen Landschaften“ aus den Jahren 1974 bis 1976. Nach den "tönenden Gründen" kehrte Max Weiler nun wieder zu weißen Gründen als Basis für die Entfaltung seiner Farbenformen zurück. Er wollte eine „emotionsfreie Malerei“ schaffen, in der das Elementare, die Energie der Natur quasi objektiv und unmittelbar zur Entfaltung kommen kann.

„Auf weißen Gründen, da wird ganz scharf, genau und nüchtern gemacht, was sichtbar ist.“ (Max Weiler 1973)

„Sichtbar“ - das bedeutet bei Max Weiler nicht das Gegenständliche sondern die Welt in ihrem eigentlichen Sein, die Natur, die man in sich trägt, das Unbewusste. Es ist daher kein unwesentliches Detail, wenn Max Weiler den Titel des Bildes auf dem Keilrahmen der Rückseite ausgebessert. Statt "Durchblick durch blaue Gegend" lautete der erste Titel "Durchblick in blauer Gegend". Eine kleine aber bezeichnende Änderung, denn mit „Blick durch“ wird die Wahrnehmung des Raumes betont, wird der Fokus auf die weiße Weite hinter dem Blau gelenkt, auf das, was undefiniert, unendlich aber auch sehnsuchtsvoll und herrlich erscheint.

„Alles fließt und nichts bleibt; es gibt nur ein ewiges Werden und Wandeln“ lautete das Naturgesetz des griechischen Philosophen Heraklit, dem Max Weiler mit diesem Gemälde Farbe und Form verliehen hat. Die disziplinierte, aber überaus feingliedrige Dynamik der unterschiedlichen Pinselstriche und die Vielfalt der Farbnuancen lässt bei jedem Betrachten Neues entdecken, scheint sich das Blau auf weißem Grund zu verschieben und bei jedem Mal wird man in den Sog der sich öffnenden Räume gezogen. Ruhe, Tiefe, Sehnsüchte werden mit dem Blau unmittelbar suggeriert, die Natur offenbart sich in harmonischer Ausgeglichenheit, wo Blütenstaub als kostbares Lebensgold sich über den Samen streut. (MHH)