Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

30. November 2016, 18:00 Uhr

1073

Kiki Kogelnik*

(Bleiburg 1935 - 1997 Wien)

„On-line“
1996
Glasskulptur; Auflage: 10 Stück
H. ca. 52 cm
Signiert und datiert im Sockel: K.K. 10/10

Provenienz

Berengo Fine Arts;
seither Privatbesitz, USA

Foto-Expertise Berengo Fine Arts liegt bei.

 € 45.000

„On-Line“ gehört zu den „Venetian Haeds II“. Diese zweite Serie der großen Glasköpfe, die 1996 zwei Jahre nach der ersten entstanden ist, wurde in einer kleinen Auflage von nur 10 Stück produziert und besteht aus insgesamt 16 Köpfen. Ausgeführt wurden die Skulpturen in der Glasmanufaktur Berengo in Murano.

Bereits in den 1980er Jahren nimmt die Bedeutung der Maske, des vom restlichen Körper isolierten Kopfes zu. „Die Köpfe kommen von meiner Arbeit von 40 Jahren. Von meinen Hangings, das hat sich alles irgendwie geteilt, und zum Schluß sind nur mehr die Köpfe übrig geblieben.“ (Kiki Kogelnik, 1996, www.kunstvereinkaernten.at/Archiv/Kogelnik) Experimentierfreudig wagt sich die Künstlerin an neue Materialien, es entstehen Köpfe aus Keramik, Bronze und Glas. Die Arbeit mit diesem neuen Material fasziniert Kogelnik, sie ist von den mannigfaltigen Möglichkeiten, die der Werkstoff bietet begeistert. Licht, Farbe und Form durchdringen einander, äußere Einflüsse wie Umgebung oder Tageslicht können den Ausdruck, das Erscheinungsbild der Skulptur verändern. Dieses Ephemere fesselt sie: Sie sehen aus „als ob sie im Wasser schwimmen. Ich hatte immer das Gefühl, als wären die Figuren aus dem Wasser entstanden“, erklärt sie diese Faszination (Kiki Kogelnik, in: Gabriela Fritz, Kiki Kogelnik. Das malerische und plastische Werk, Klagenfurt – Ljubljana – Wien 2001, S. 112).

Neben dem zentralen Element der Metamorphose sind es aber auch durchaus aktuelle Themen, die die Künstlerin in diese Skulpturen einzubauen versteht. Titel der einzelnen „Venetian Heads II“ wie „Rich and Poor“, „Drunken Head“, „Censorship“ oder eben „On-Line“ verweisen auf einen durchaus gesellschaftspolitischen Ansatz. Sollen doch die Köpfe gleichsam ein Sinnbild des Menschen von heute darstellen und moderne Seelenzustände abbilden. Dabei bedient sich Kogelnik einer beeindruckend einfachen Formensprache. Die Haare als Zacken, Augen und Mund aus rund aufgeschmolzenem Glas und dabei durchaus ausdrucksstark. In „On-Line“ erscheint die Mimik Überraschung, aber auch Neugier darzustellen. Die im durchsichtigen Glas eingeschmolzenen Streifen in glitzerndem Kupfer, weiß, rosa und verschiedenen Blautönen auf schwarzem Grund versinnbildlichen die Informationsströme, denen der moderne Mensch in seinem täglichen Umfeld ständig ausgesetzt ist. Stets ist man „On-Line“, steht in Verbindung mit verschiedenen Kommunikationsnetzwerken. Wo bleibt die Ruhe und das Besinnen auf sich selbst? Im Sockel werden die ständig fließenden Datenströme in zarte horizontale Linien umgesetzt wieder aufgenommen.

„In Ihren späten, auf transzendente Weise ‚spielerischen’ Köpfen aus geblasenem Glas hat Kogelnik vielleicht den Gipfelpunkt ihrer Karriere erreicht. Was ihre meisterhafte Behandlung der quecksilbrigen Eigenschaften dieses Materials angeht, kam ihr Können jedenfalls nie strahlender zur Geltung.“ (Jan Ernst Adlmann, Kiki Kogelnik 1935 – 1997. Retrospektive. Ausstellungskatalog, Österreichische Galerie Belvedere, Wien 1998, S. 47) (Sophie Cieslar)