Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

19. Oktober 2016, 17:00 Uhr

0905

Rudolf von Alt

(Wien 1812 - 1905 Wien)

„Fabriksgelände (Papierfabrik Klein-Neusiedl?)“
1873
Aquarell auf Papier
58,5 × 49 cm
Signiert und datiert links unten: R Alt (1)873

€ 20.000

Darstellungen von zeitgemäßer Industriearchitektur sind für Rudolf von Alt eher ungewöhnlich. Neben der berühmten Eisengießerei Kischelt in der Skodagasse, die er in den 1890er Jahren mehrmals gemalt hatte, erhielt er im Jahr 1873 einen sehr umfangreichen Auftrag für die Wiener Weltausstellung, wo er unterschiedliche Bauwerke der Wiener Hochquellen-Wasserleitung vom Anfang im Rax- und Schneeberggebiet bis zu ihrem Endpunkt in Wien darstellen sollte. In diesem Jahr entstand auch vorliegendes Aquarell, welches möglicherweise eine Papierfabrik im Süden von Wien zeigt. Im Kunsthandel wurden in den späten 1990er Jahren zwei Blätter Alts angeboten, welche Innenansichten der Papierfabrik Klein-Neusiedl bei Fischamend zeigen. Gegründet wurde diese im Jahr 1793 von Ignaz Theodor von Pacher Edler von Eggenstorf. Nach dessen Tod führten seine Frau und sein Sohn das Unternehmen, welches im Jahr 1837 aufgrund von Finanzproblemen an den Großhändler Georg Borckenstein verkauft werden musste. Mit dem neuen Besitzer wurde die Fabrik zu einer der modernsten in ganz Europa.

Rudolf von Alt blickt von einem erhöhten Standort auf das Fabriksareal, welches nur durch den rauchenden Schlot als solches erkennbar ist. Die Anlage ist in eine ländliche Gegend eingebettet, umgeben von Wiesen und Bäumen. Nicht das industrielle Geschehen war von Interesse, sondern mit der Darstellung der pittoresken Außenansicht, ging Alt möglicherweise auf Wünsche des Eigentümers ein und lieferte gleichzeitig ein wertvolles kulturhistorisches Dokument. (MS)