Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

19. Oktober 2016, 14:00 Uhr

0707

Angelika Kauffmann

(1741, Chur - 1807, Rom)

„Cordelia fleht um Hilfe“
1782/83
Öl auf Kupfer
31 × 26 cm (oval)
Signiert unten mittig: Angelika Kauffman
Rückseitig altes Klebeetikett: Cordelia/ for Mr. Birchall/ No 473 Strand

Provenienz

im Auftrag des Verlegers James Birchall (aktiv 1781–94);
ehemals Captain Edward George Spencer-Churchill (1876 - 1964), Northwick Park;
Versteigerung Philipps, de Pury & Luxembourg Zürich, 18. März 2002, Lot 2;
Schweizer Privatsammlung;
Auktionshaus im Kinsky, Wien, 75. Kunstauktion, 13.-14. Oktober 2009, Lot 80;
europäische Privatsammlung

Literatur

Victoria Manners/G.C. Williamson, Angelika Kauffmann R.A. Her life and her works, London 1924, S. 182 (Gemälde), S. 223 (Nachstich);
Bettina Baumgärtel (Hg.), Angelika Kauffmann. Eine Retrospektive, Ausstellungskatalog, Kunstmuseum Düsseldorf, 1998, S. 417, Abb. Nr. 176

€ 50.000

Im Jahre 1782 erhielt die in Rom lebende Angelika Kauffmann von James Birchall den Auftrag zwei literarische Szenen zu malen. Die Künstlerin wählte aus Shakespeares "King Lear" die bis dahin noch nicht dargestellte Szene der zu Gott flehenden Tochter Cordelia und eine nicht minder dramatische Szene aus Robert Dodsleys Theaterstück, nämlich die um ihren toten Sohn trauernde Cleone.
James Birchall war ein in London tätiger Verleger, der nach zahlreichen Gemälden von Angelika Kauffmann Punktierstiche von den führenden Stechern Englands herstellen ließ. Sowohl die Gemälde als auch die Nachstiche wurden in seinem Londoner Geschäft am Strand Nr 473 angeboten (vgl. Düsseldorf Kunstantiquariat C.G. Boerner, Angelika Kauffmann und ihre Zeit, 1979, Nr. 121, 121a Nachstich: Francesco Bartolozzi, publiziert 1784, verlegt von James Birchall und G. Durand).

Während sich zahlreiche Künstlerkollegen von Angelika Kauffmann wie John Runciman, James Barry, Johann Heinrich Füssli oder Benjamin West allein für die Darstellung des geisteskranken Königs Lear interessierten, konzentrierte sich Kauffmann auf die weibliche Protagonistin, die von Lear verstoßene Lieblingstochter Cordelia. Kauffmann wählte jenen einsamen Gebetsmoment, bevor Cordelia das tödliche Schicksal ereilt. Denn der kundige Shakespeare-Leser weiß, dass Cordelia ein schreckliches Unheil bevorsteht.
Als die verstoßene Tochter in selbstloser Liebe nach England zurückkehrte wird sie zusammen mit ihrem Vater gefangen genommen. Noch bevor der inzwischen geläuterte Lear seiner Tochter seine Einsicht von der wahren Tochterliebe offenbaren kann, wird diese im Kerker erhängt. Der zu spät gekommene Vater stirbt aus Schmerz über Cordelias Tod (vgl. Bettina Baumgärtel 1998, S. 417).