Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

19. Oktober 2016, 14:00 Uhr

0717

Jan Brueghel der Jüngere

(1601, Antwerpen - 1678, Antwerpen)

„Heilige Familie mit Johannes und Engeln“
1640er Jahre
Öl auf Kupfer auf Holz
51,5 × 65,5 cm

Provenienz

Privatsammlung, Wien

Gutachten Dr. Klaus Ertz, Lingen, den 10. Mai 2016, liegt bei.

€ 40.000

Auf einem Stein sitzt Maria in ihrem leuchtend roten Gewand und ihrem blauen Umhang. Sie hält das Christuskind in ihren Armen, welches von ihrer Brust trinkt. Zu ihrer Seite steht der kindliche, einen Apfel reichende Johannes der Täufer, während Josef die Szene aus dem Hintergrund beobachtet. Fünf kleine Engel begleiten die heilige Familie. Sie bringen Kreuzstab mit Spruchband und das Lamm Gottes herbei, während einer sich den Blumen am linken Bildrand zuwendet. Ein früchtetragender Apfelbaum sowie Gebüsch und weitere Bäume hinterfangen die Figurenszene. In der rechten Bildhälfte ist der Blick frei auf ein Gewässer und zwei in der Entfernung liegende Siedlungen. Die Wolken im Himmel werden von der untergehenden Sonne zart bestrahlt, was eine sanfte Lichtstimmung kreiert. Den linken und rechten Vordergrund zieren verschiedenste Blumen, wie Narzissen, Schwertlilien, Veilchen, sowie ein prächtiger Rosenstrauch, die die Idylle der Szene unterstreichen.

Die hier dargestellte neutestamentarische Szene der Ruhe auf der Flucht nach Ägypten erfreute sich im 17. Jahrhundert besonderer Beliebtheit und wurde von Jan Brueghel dem Jüngeren mehrfach dargestellt. Mit Pieter von Avont zusammen, schuf er in den 1630er Jahren eine „Heilige Familie mit Johannes und Engeln in Landschaft“, welche sich heute im Kunsthistorischen Museum in Wien befindet (Inv.-Nr. 1683). Ein weiteres Beispiel ist das Werk „Maria mit Kind und Johannes in waldiger Landschaft“, von Brueghel d. J. gemeinsam mit Hendrick van Balen gemalt (vgl. Klaus Ertz, Jan Breughel der Jüngere 1601 – 1678. Die Gemälde mit kritischem Oeuvrekatalog, Freren 1984, S. 310, Kat.-Nr. 141, mit Abb.).

Ganz im Sinne einer in Flandern in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts auftretenden Tradition der gemeinschaftlichen Ausführung einer Komposition zweier spezialisierter Maler, hat auch in vorliegendem Gemälde Jan Brueghel der Jüngere mit einem Figurenmaler zusammengearbeitet. Wie schon sein Vater Jan Brueghel der Ältere (1568-1625) übergab er die künstlerische Fertigung der Figuren einem darauf spezialisierten Maler, so lässt sich nicht nur eine Zusammenarbeit seines Vaters mit Peter Paul Rubens (1577-1640) belegen, sondern haben auch Hendrik van Balen (1575-1632) oder Frans Francken der Jüngere (1581-1642) figürliche Staffagen in brueghel’sche Gemälde eingefügt. Schriftliche Aufzeichnungen Jan Brueghels des Jüngeren geben darüber hinaus Aufschluss über weitere Kollaborationen mit Pieter Snayers (1592-1666) oder Lucas van Uden (1595-1672). Auch vorliegendes Gemälde ist laut Dr. Klaus Ertz eine Gemeinschaftsarbeit. Von der Hand Jan Brueghels des Jüngeren stammen die Landschaft, Blumen und Pflanzen, die Figuren wiederum ordnet Ertz einem Nachfolger Pieter von Avonts zu. Weiters datiert er das Gemälde in die späten 1640er Jahre, da sich der Künstler bereits von der Manier des Vaters entfernt und mit seinem breiteren, malerischer wirkenden Pinselstrich zu seinem eigenen Malstil gelangt ist (vgl. Gutachten Dr. Klaus Ertz).