Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

08. Juni 2016, 18:00 Uhr

0906

Roman Scheidl*

(Leopoldsdorf 1949)

„Sehnsucht“
1990
Gouache auf Papier; gerahmt
147 × 98 cm
Signiert und datiert links unten: Scheidl 90
Rückseitig eigenhändig bezeichnet: "Sehnsucht" Zürich / Gouache auf Papier, für Jean Paul

Provenienz

Privatsammlung, Wien

Ausstellung

Zürich, Galerie Stummer 1990; Stockholm, Futura Galerie 1991; Salzburg, Galerie Welz 2010

Literatur

Galerie der Stadt Salzburg (Hg.): Roman Scheidl, Romantik, Ausstellungskatalog der Galerie der Stadt Salzburg / Vogelhaus im Mirabellgarten 24. Nov. - 31. Dez. 2010, Salzburg 2010, Abb. o.S.

€ 8.000 - 16.000

Die Entstehung der Gouache fällt in jene Zeit, in der Roman Scheidl in der Schweiz lebte. 1982 übersiedelte er dorthin und hatte bis 1995 sein Atelier in Zürich. Dort hatte er Ende der 1970er Jahre die Schweizer Tänzerin und Choreografin Bettina Nisoli kennengelernt, die seine Lebensgefährtin wurde. Diese Begegnung und die folgende Zusammenarbeit bis zu ihrem Tod im Jahr 1996 prägten wesentlich die weitere Entwicklung seiner Malerei. Zusammen mit Bettina Nisoli und ihrem Tanzensemble entwickelte er eine Live-Lichtzeichnung für die Bühne und ging auf Tournee. Im Jahr 1990 –im Entstehungsjahr der Gouache- wurde das Tamamu Ensemble (Tanz, Malerei, Musik – Verein zur Förderung multimedialer Bühnenkunst) gegründet. Rhythmus und Tanz beeinflußten seit dieser Zeit Roman Scheidls Bildwelt nachhaltig und die Thematik der Bewegung im Raum wurde zu einem Hauptanliegen, das bis heute bestimmend für seine künstlerische Arbeit ist.

Die mit „Sehnsucht“ betitelte Gouache zeigt ein Paar in Rückenansicht. Kleidung und Haltung verdeutlichen, daß es sich um Tänzer handelt. Sie sind ,wie in einer Tanzposition innehaltend, in einer Landschaft dargestellt, die sich vor ihnen in die Tiefe des Bildes erstreckt. Das Blatt wird von einer kontrastreichen Farbigkeit und einem bewegten Pinselstrich bestimmt, der in der Darstellung der Natur eine Eigendynamik erreicht. Der Gegensatz zwischen Blau und einem von strahlendem Weiß durchsetzten Orange-Gelb sowie die dynamische Pinselschrift lassen in der Mitte des Bildes gleichsam einen leuchtenden Sog entstehen, der sowohl die Tänzer als auch den Betrachter in seinen Bann zieht.

Die Gouache ist ein charakteristisches Beispiel für die richtungsweisende künstlerische Entwicklung, die in Roman Scheidls Schweizer Jahren stattgefunden hat und zeigt bereits alle auch heute gültigen Merkmale seiner Malerei. Farbe, Licht, Bewegung und Raum sind seither die Grundthemen seiner Kunst. Das Vereinen von Gegensätzen und Spannungsmomenten, die Suche nach Stille in der Bewegtheit und das Streben nach Harmonie bei gleichzeitiger Wehmut über den Widerspruch von Wunsch und Wirklichkeit sind die Kennzeichen seiner poetischen Bildwelt. (Birgitta Kager)