Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

08. Juni 2016, 18:00 Uhr

0929

Erwin Wurm*

(Bruck 1954)

„Mies van der Rohe Melting“
2005
Gipsguss bemalt; Auflage: 4/8
H ca. 110 cm
Signiert, datiert und nummeriert im Inneren der Skulptur: Erwin Wurm 2005 4/8

Provenienz

österreichische Privatsammlung

Literatur

Museum der Modernen Kunst Stiftung Ludwig Wien (Hg.):Erwin Wurm. The artist who shallowed the world, Ausstellungskatalog, Wien 2006/2007, Abb. S. 276.

€ 40.000

Erwin Wurm stellt in seine Arbeiten räumliche Zusammenhänge, Volumina und sich daraus ergebende Spannungen infrage. „Die Neubewertung von Linie und Fläche, von innerer und äußerer Form, von Statik und Bewegung, von Körper und Raum oder von ephemeren und dauerhaften Zuständen spielt in Erwin Wurms Arbeiten eine zentrale Rolle.“ (Robert Fleck, in: Erwin Wurm. The artist who swallowed the world, Ausstellungskatalog, MUMOK, Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Wien 2006) Das Vergängliche, Augenblickliche charakterisiert seine Arbeiten schon in den frühen „Dust Pieces“, den „One Minute Sculptures“ und auch 2005 in der Skulptur „Mies van der Rohe Melting“.

Hier ist es ein Wolkenkratzer aus Stahl und Glas, der an seiner Basis beginnt dahin zu schmelzen wie Eis in der Sonne oder ein überreifer Käse. Die strenge Geometrie der Architektur beginnt ihre Form zu verlieren und löst sich in eine amorphe Masse auf. Die silberne Bemalung des Gipsgusses suggeriert eine stählerne Haltbarkeit, die durch das beginnende Verflüssigen an der Basis konterkariert wird. Mies van der Rohe hat mit seinen formal reduzierten, im Wesentlichen aus Glas und Stahl („skin and bones“) gebauten Wolkenkratzern in den 1950er Jahren die amerikanische Baukultur revolutioniert. Minimalistische Skyscraper wie das Seagram Building in New York oder die Lake Shore Drive Appartments in Chicago bestimmen heute noch die Silhouetten der Stadtzentren. Die Architektur ist hier auf die tragende Konstruktion und eine Hülle aus Glas ohne jegliche Ornamente reduziert. Erwin Wurm geht es aber nicht um das Abbilden eines Körpers, sondern es geht um das Organische. Um den Raum, den eine Gebäudehülle umschließt. Ein Raum, der aus der Form geraten kann wie in seinem „Fat House“ oder wie hier in „Mies van der Rohe Melting“.

„I look at architecture as a type of sulpture…. In my houses, I try to reduce them or work on them from a sculptural perspective… they are not empty inside; they have a sculptural quality. And for that reason, it’s also possible to make these houses melt because melting, for me, is the process of slowly transforming their form into something liquid. It’s this change of medium, the hard form of a building becoming fat, which means the dissolution of order. It becomes something not anthropomorphic, not abstract, but rather amorphic.“ (Erwin Wurm im Gespräch mit Peter Zuspan. Http://www.museomagazine.com/ERWIN-WURM)
(Sophie Cieslar)