Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

08. Juni 2016, 18:00 Uhr

0921

Wolfgang Hollegha*

(Klagenfurt 1929)

„o.T.“
um 1960
Öl auf Leinwand; ungerahmt
188,5 × 165 cm

Provenienz

1997 im Auktionshaus im Kinsky Wien erworben, 15. Auktion (lot 504); seither Privatbesitz, Wien

Schätzpreis: € 25.000 - 50.000
Ergebnis: € 29.000
Auktion ist beendet.

„Für mich ist das, was ich sehe, eine Art von Wahrheit. Da zweifle ich nicht dran. Denn so wie ich es sehe, so erlebe ich es. Das ist eine Einheit. Das Sehen und das Erleben ist eine Einheit.“ (Wolfgang Hollegha). Die farbenprächtigen, oft monumentalen Kompositionen Wolfgang Holleghas sind Übersetzungen des in der Natur Gesehenen in gegenstandslose Malerei: Dabei bezieht er sich auf Dinge, die er zeichnet und studiert um ihre innewohnende Dynamik, man könnte sagen, ihr Wesen, zu erfassen und schließlich in Farbe umzusetzen.
Wolfgang Hollegha findet seinen Ausdruck sehr früh: Bereits als Miterneuerer der Malerei im Österreich der Nachkriegszeit als Teil der Gruppe um Monsignore Otto Mauer ist er vehement ungegenständlich. Die Tendenz zu großen und monumentalen Leinwänden war von Anfang an vorhanden – in der Nachkriegszeit eine Besonderheit. Während Hollegha sich also thematisch stets in das Ausloten der Verbindung von Kunst und Natur vertieft, ändert sich doch die Bildästhetik stark. Ist er heute vor allem für seine strahlenden, farbintensiven Komposition bekannt, die sich besonders ab den 2000ern immer mehr auflockern, während sie davor dunkler und dichter waren, so ist seine Malerei anfangs oftmals in kühlen Tönen und eine Zeitlang sogar in geometrischen Formen gehalten. Gerade um 1960, zur Entstehungszeit des Bildes, beginnt sich langsam etwas herauszukristallisieren, was für Hollegha steht: Das harmonische Tanzen einzelner, verlaufender Farbfelder, die in sich an Intensität changieren, aber nur wenig ineinander dringen. Die Farbe ist hier zurückgenommen, luftig und zart, die Formen stehen noch vehementer nebeneinander, sie tanzen noch nicht – die Werke dieser Zeit, besonders auch das vorliegende, sind von der Spannung dieser einzelnen sich ausdehnenden Farbflächen bestimmt, die in perfekter Balance verharren. 1960 ist der junge Wolfgang Hollegha auch international bereits sehr erfolgreich und stellt in New York zusammen mit den wichtigsten abstrakten Malern der internationalen Szene aus. Das vorliegende Gemälde wird somit auch zum Zeitzeugen nicht nur einer Künstlerkarriere, sondern auch der Wiederanbindung Österreichs an internationale Kunstentwicklungen. (Nina Binder)