Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

07. Juni 2016, 18:00 Uhr

0373

Oskar Mulley*

(Klagenfurt 1891 - 1949 Garmisch)

„Berghof (Garmisch)“
um 1935
Öl auf Leinwand
95 × 160 cm
Signiert und bezeichnet rechts unten: Mulley / Garmisch

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

€ 100.000

Nach seiner Ausbildung an der Wiener Akademie zieht der in Kärnten geborene Oskar Mulley nach Tirol, das ihm zu einer zweiten Heimat wird. Zunächst lässt er sich in Kufstein nieder, die Werke dieser Zeit sind noch von seinen Kriegserlebnissen geprägt, die er in eher düsteren Bildern verarbeitet, in den folgenden Jahren wendet er sich dem Symbolismus zu. Ab den späten zwanziger Jahren verändern sich jedoch die Motive. Die hochalpine Landschaft mit ihren schroffen Gebirgszügen, den majestätischen Gipfeln und archaischen Felswänden fasziniert den Künstler und er beginnt, die Eindrücke der ihn umgebenden Bergwelt in großformatige Kompositionen umzusetzen. Bergbauernhöfe, Kapellen oder kleine Dörfer trotzen dabei wehrhaft den herausfordernden klimatischen und geografischen Gegebenheiten und erzeugen eine Spannung, die für Mulleys Hauptwerke charakteristisch ist. Dieser Effekt wird noch verstärkt durch einen pastosen Farbauftrag und die wuchtige Spachtelmalerei, die den Bildern zusätzlich Monumentalität verleiht und das harte Leben im Hochgebirge verdeutlicht.
1935, zur Entstehungszeit des “Berghof”, ist Mulley gerade nach Garmisch Partenkirchen übersiedelt, er befindet sich am Höhepunkt seines Schaffens. Im Vordergrund des Bildes zeigt er einen großen, bewohnten Berghof und einige anschließende Wirtschaftsgebäude. Direkt hinter den Häusern scheint der Abhang steil bergab zu verlaufen, das Dach der hintersten Hütte liegt bereits um einiges tiefer als die Dächer der vorderen Gebäude und der Blick fällt direkt auf die gegenüberliegende, steil aufragende Felswand. Das herumliegende Geröll und der unebene Berghang, auf dem die Häuser teilweise von Unterkonstruktionen gestützt stehen, betonen die schwierigsten Gegebenheiten, denen zum Trotz Menschen hier eine Existenz aufgebaut haben. Der Gegensatz von der fast beängstigenden Monumentalität des Berges zu der Alltäglichkeit der aufgehängten Wäsche am Balkon wirkt berührend und zeigt gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit, aber auch die Zerbrechlichkeit des Menschen gegenüber der Natur. (Ina Waldstein)