Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

12. April 2016, 15:00 Uhr

0062

Salomon Koninck

(Amsterdam 1609 - 1656 Amsterdam)

„Bathseba im Bade“
um 1640/50
Öl auf Leinwand
122 × 101 cm

Provenienz

wohl Sammlung Anthonie van Brul (um 1613-1653), Amsterdam (laut C. de Bie 1661 & Hofstede de Groot in Thieme-Becker 1927);
Sammlung Arthur Kay, Esq. (1860-1939), Glasgow;
1901 Versteigerung von Gemälden aus der Sammlung Arthur Kay, Christie's, London, 11. Mai 1901, Lot 68 (als F. Bol);
Sammlung Marcell (Marczell) Nemes (1866-1930), Budapest;
Kunsthandel E. Wendlinger, Wien;
ab 1917 Sammlung Max Schmidt (1866-1935), Wien/Budapest;
österreichische Privatsammlung

Literatur

Cornelis de Bie, Het gulden cabinet van de edele vry schilder-const, inhoudende den lof vande vermarste schilders, architecte, beldthowers ende plaetsnyders van dese eeuw, Antwerpen 1661, S. 250;
Cornelis Hofstede de Groot, Quellenstudien zur holländischen Kunstgeschichte: Arnold Houbraken und seine "Groote Schouburgh", Haag 1893, S. 256f.;
Alfred von Wurzbach, Niederländisches Künstlerlexikon, Amsterdam 1906, Bd. 1, S. 326;
Theodor von Frimmel, Studien und Skizzen zur Gemäldekunde, Bd. III, Wien 1917, S. 76f., Tafel XXXVII (mit Abb.);
Cornelis Hofstede de Groot, in: Thieme-Becker XXI, 1927, S. 275;
Werner Sumowski, Gemälde der Rembrandt-Schüler, Landau–Pfalz 1983, Bd. III, S. 1630, Anm. 3.2 & Bd. VI, S. 3620

€ 45.000

Der nur um drei Jahre später als Rembrandt van Rijn (1606-1669) geborene Maler Salomon Koninck gilt als einer der herausragenden Namen der sogenannten Rembrandt-Schule. Dies ist wohl eben dem Umstand geschuldet, dass er zunächst selbst eine eigenständige künstlerische Entwicklung erfuhr – unter anderem eine Ausbildung beim Schwager Pieter Lastmans, einem der Lehrer Rembrandts – bevor er mit dem Werk des großen Meisters überhaupt in Berührung kommen konnte. „Der Einfluss des Meister hat sich bei ihm stärker und nachhaltiger ausgewirkt als bei manchem Lehrling mit mehrjährigem Atelier-Studium […] In der Wahl seiner Lehrer zeigte sich ein Interesse für Historienmalerei in prärembrandtesker Auffassung. Er war auf Rembrandt vorbereitet, und man versteht, dass er sich in den frühen dreißiger Jahren, alles bisher Angelernte verdrängend, an Rembrandt anschloss, der seine Vorläufer in jeder Hinsicht übertroffen hatte.“ (vgl. Werner Sumowski, Bd. III., S. 1627).

Das Gemälde zeigt die schöne Bathseba im Bade. Sie wird von einer Dienerin gekämmt und erhält in diesem Moment den Brief ihres Liebhabers König David. Nach dem Tode ihres ersten Gatten, Uria, sollte Bathseba die Ehefrau König Davids und damit Mutter des großen König Salomos werden. Das vorliegende Gemälde kann wohl mit jenem Stück Konincks identifiziert werden, welches bereits einer der bedeutendsten zeitgenössischen Kunstbiographen, Cornelis de Bie (1627-1715), in seinem Werk „Het Gulden Cabinet der Edel Vry Schilderconst“ 1661 erwähnte als: „daselbst bei Sr. Anth. De Brul ‚een Danae‘ und ‚een Bersabe lesende een brief‘“ (siehe Hofsteede de Groot; 1983, S. 256f.). Das Gemälde verblieb im 19. Jahrhundert in einer englischen Privatsammlung, welche 1901 in London versteigert wurde und ist dann in der berühmten Sammlung Marcell (Marczell) Nemes, Budapest, dokumentiert. Im Jahre 1917 wurde das Werk durch den in Wien und Budapest ansässigen Kunstmäzen und bekannten Möbelfabrikanten Max Schmidt erworben. Zum Anlass dieses Erwerbs widmete Theodor von Frimmel vor knapp 100 Jahren dem Gemälde erstmals eine eigene Publikation mit Schwarzweißabbildung, welche letztendlich auch Werner Sumowski in seinem mehrbändigen Forschungswerk über die Rembrandt-Schule aufgriff. Bislang war die Komposition des vorliegenden „Bathseba“-Gemäldes farblich nur annährend in einer anonymen Kopie nach dem Werk Salomon Konincks im Synebrychoff Art Museum, Helsinki, bekannt (vgl. Sumowksi Bd. VI. S. 1630).