Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

24. November 2015, 16:00 Uhr

0074

Carl Moll

(Wien 1861 - 1945 Wien)

„Kreuzgang im Kloster San Gregorio in Venedig“
1922
Öl auf Leinwand
60 × 60 cm
Monogrammiert links unten: CM
Rückseitig auf Etikett am Keilrahmen bezeichnet: Abbazia San Gregorio Venedig
Künstlerhausetikett Mährischer Kunstverein Künstlerhaus Brünn rückseitig

Provenienz

Dorotheum Wien, 558. Kunstauktion, 4. - 7. 12. 1962, lot 913; 1998 Kunsthandel Wienerroither & Kohlbacher, Wien; Privatbesitz, Wien

Ausstellung

1926 Wien, Künstlerhaus, XLVII, Kat.-Nr. 462; 1928 Prag, Kat.-Nr. 219, m. Abb.; 1998 Wien, Wienerroither & Kohlbacher, Kat.-Nr. 31, m. Abb.

Literatur

Monika Fritz, Der Wiener Maler Carl Moll (1861-1945), Dissertation, Innsbruck 1962, Nr. 64, Abb. 67

Das Gemälde wurde von Cornelia Cabuk für das Werkverzeichnis Carl Moll in der Reihe der Belvedere Werkverzeichnisse dokumentiert.

€ 40.000

1921 feierte Carl Moll seinen 60 Geburtstag. Sowohl als Künstler als auch in seiner Tätigkeit als freier Kurator, Ausstellungsorganisator und Leiter der Galerie Miethke (1904-1912) war der Maler zu einer „Wiener Kulturinstitution“ geworden. Aber auch sein künstlerischer Elan ließ nicht nach. Neben seinen Aufgaben in der Stadt unternahm Moll zahlreiche Reisen, kaum mehr aus geschäftlichen Gründen, sondern um zu malen. Statt der pointillistischen Malweise, die seine Werke der Vorjahre geprägt hatte, veränderte er nun seine Arbeitsweise und ging zu einer breiten Spachteltechnik über, wobei er sich einer hellen, leuchtenden Farbpalette bediente, in der das Grün häufig bestimmend war. Seine Bilder sind bewegter und expressiver als früher, nicht von den Motiven her, sondern vielmehr durch seine neue Technik. Räumliche Tiefe entsteht aus „Farbstufen, die sich stark voneinander abheben und doch wieder geheimnisvoll zusammenklingen. Die Palette besitzt jetzt alle nur denkbaren Farbnuancen, von Gelb bis zur natürlichen Terra die Siena, vom Zinnober bis zum gebrannten Lack, vom Veroneser Grün bis zur grünen Erde und vom Kobalt bis zum Preußischblau.“ (Monika Fritz, Der Wiener Maler Carl Moll (1861 – 1945), Dissertation an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, Innsbruck 1962, S. 96)
1922 erhielt Moll einen Auftrag, der ihm zwei Italien-Reisen ermöglichte. In Venedig war er durch eine schwere Arthritis zu einer längeren Pause gezwungen, die er wohl größtenteils malend verbrachte. Möglicherweise entstand zu dieser Zeit die hier gezeigte Ansicht des Kreuzganges von San Gregorio. Moll wählte einen Blick aus dem Kreuzgang heraus, durch die Arkadensäulen in den begrünten Innenhof. Die Farbpalette ist auf Grün- und Brauntöne beschränkt, der Pinselstrich großzügig offen. Der starke Kontrast zwischen dem verschatteten Dunkel des Ganges und dem gleißenden Sonnenlicht im Hof, das das Grün der Bäume regelrecht aufblitzen lässt, den Raum formt und in Schwingung versetzt, ist das eigentliche Motiv des Bildes. Auf den steinernen Bodenplatten vor der Ballustrade tanzen Lichtflecke gleichsam als Übergang von drinnen und draußen, die Farbe der Blätter findet eine Entsprechung im schattigeren Innenbereich, als fiele das Licht durch grünliches Fensterglas. Ein schönes Beispiel für die Themen, denen sich Carl Moll in seinem Spätwerk intensiv widmete. (Ina Waldstein)