Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

24. November 2015, 16:00 Uhr

0086

Rudolf Wacker

(Bregenz 1893 - 1939 Bregenz)

„Stilleben mit Fettpflanze“
1931
Öl auf Sperrholz
60 × 75 cm
Signiert und datiert rechts unten: R. Wacker 31
Rückseitig eigenhändig bezeichnet: B 75 H 60 / Rudolf Wacker / Bregenz 1931 / "Stilleben mit Fettpflanze"

Provenienz

vom Vater des jetzigen Eigentümers wohl aus dem Nachlass des Künstlers erworben, seither in Besitz der Familie (Privatbesitz, Frankreich)

Ausstellung

1932 Bregenz, Vorarlberger Künstlergemeinde; 1932 München, Künstlerbund

Literatur

Max Haller, Rudolf Wacker 1893 - 1939, Biografie mit dem Oeuvre-Katalog des malerischen Werkes, Lustenau 1971, WV-Nr. 225 (sw-Abb.)

Ein Originalfoto des Bildes befindet sich im Bestand des Franz-Michael-Felder-Archivs der Vorarlberger Landesbibliothek / Vorarlberger Literaturarchiv.
Wir danken Dr. Jürgen Thaler für die freundlichen Hinweise.

€ 210.000

Im Titel des vorliegendes Gemäldes, "Stilleben mit Fettpflanze", den Wacker auf die Rückseite der Holztafel notiert, macht der Künstler auf die Rolle der großen, in der rechten Bildhälfte stehenden Topfpflanze als Hauptfigur der Bildkomposition aufmerksam. Kombiniert wird die titelgebende Pflanze mit sparsam auf der Bildfläche verteilten Motiven, die man teils von anderen Stillleben des Künstlers kennt: ein stacheliger Kaktus, eine Schachtel mit Spielkarten und - als besondere Kostbarkeit - ein floral gemusterter Jugendstil-Wandteppich. Ein auffallendes, in Wackers Motivrepertoire ebenso wiederkehrendes Detail ist das kleine in der Erde steckende und den Stamm der Fettpflanze stützende Holzstück, das den Preis der Pflanze nennt.
Wacker war ein wahrer Kakteenliebhaber und züchtete auf dem Dachgarten seines Hauses besondere Arten, die er in den beziehungsreichen Arrangements seiner Stillleben malerisch verewigte. Die Vorliebe für exotische Pflanzen im allgemeinen und die Faszination für Kakteenarten im besonderen teilte er mit anderen Malern der Neuen Sachlichkeit.
In der metaphorisch verschlüsselten Sprache des vorliegenden Bildes verkörpern Fettpflanze und Kaktus mit ihren sinnlich-runden Blättern zum einen und der stachelig-aggressiven Form zum anderen das weibliche und männliche Prinzip. Symbolträchtig fügt sich die markant aus dem Kartenstapel hervorstehende Spielkarte mit den Herzen in diesen erotisch aufgeladenen Bedeutungszusammenhang. Und auch die weiblich konnotierten Blüten des Teppichmusters, die mit den weichen Formen der Fettpflanze korrespondieren, betonen die Metaphorik des Stilllebens.
Bezeichnend für Wackers Variante des internationalen Stils der Neuen Sachlichkeit sind fein nuancierte Farbflächen und subtil gesetzte Schattenpartien, die den Bildelementen geheimnisvolles Leben einhauchen und sie mit magischem Zauber umgeben. (CMG)