Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

26. November 2015, 15:00 Uhr

0855

Kiki Kogelnik*

(Bleiburg 1935 - 1997 Wien)

„Ocean“
1996
Glasskulptur, Auflage: 5/10
H. ca 52 cm
Monogrammiert am Sockel: K.K. 5/10

Provenienz

1997 bei Berengo Fine Arts Venedig erworben; Privatsammlung, Texas, USA; Heritage auction house, Texas (2015); Privatbesitz, Österreich

Fotoexpertise von Berengo Fine Arts (Glass Furnace & Gallery) liegt bei.

 € 32.000

Die Begegnung mit Adriano Berengo und seine Einladung zu einer Zusammenarbeit in dessen Glasstudio auf Murano erschloss den bis dahin aus Keramik geschaffenen Köpfen von Kiki Kogelnik eine wichtige neue Dimension des Ausdrucks und der Künstlerin einen neuen Kosmos. Die Transparenz und Transluzidität des Glases mit seinen vielfältigen technischen Mitteln, spannende Texturen und Farbspiele einzubringen, inspirierte die Künstlerin zu zahlreichen Varianten. Die einfachen, sprechenden Formen der Köpfe zeichnen mit elementaren Details, wie der Biegung der Haare oder der Position der Augen Stimmungen und Charaktere. Zwei Augen, eine Nasenspitze oder ein Mund genügen, um ein das Selbst spiegelnde Porträt mit oft allegorischem Charakter zu schöpfen.

Die beiden im Jahr 1996 entstandenen Köpfe sind reife Umsetzungen der technischen und künstlerischen Möglichkeiten des Glases. Der Sockel zeigt jeweils eine Assoziation mit dem zugrunde liegenden Element des Themas. Ocean ist mit Luftblasen durchsetzt, die im farblosen Glas des Sockels den Eindruck von blubberndem Wasser hervorrufen, verstärkt durch die kobaltblaue Wellenlinie. Der Kopf selbst scheint durch leicht gekräuseltes, tiefblaues Wasser betrachtet zu werden, in das er gerade gesprungen ist, das Haar beim Untertauchen senkrecht nach oben geformt.

Night ruht auf einem Sockel aus dem undurchsichtigen Schwarz des Nachthimmels, darin schweben silberne Craquelé-Fragmente, die sich auch im Gesicht wiederfinden, stellvertretend für das farblose Sternen- oder Mondlicht. Der Kopf aus grauem Craquelé zeigt stilisierte Wimpern der geschlossenen Augen einer schlafenden Kiki. Das Haar zur Krone geformt, öffnet sich dem Traum der Nacht.

Die Poesie der Venetian Heads, die zwischen1994 und 1997 in mehreren Phasen “aus dem Wasser der Lagunen“ entstanden, wie Kiki Kogelnik selbst sagte, scheint unversiegbar. Die bisher ungeahnte Kraft der Elemente, wobei die Glasmasse wie zu einer flüssigen Substanz schmolz faszinierte die Künstlerin ebenso wie die von den Meistern auf Murano noch immer beherrschten Techniken der Renaissance. “Es war, als ob wir unsere Schöpfer in das Wasser von Venedig tauchen würden, um daraus Köpfe zu gießen… Ich war von dieser Metamorphose erstaunt, das Heisse wurde kalt, das Flüssige wurde starr.“ {Kiki Kogelnik}.

Anläßlich des 60. Geburtstags von Kiki Kogelnik konnten im Januar 2015 ihre Venetian Heads erstmals im Wiener Belvedere vorgestellt werden und wanderten von dort zu einer Schau im Europa Design Depot in Klagenfurt. Unmittelbar danach folgte eine zweite Serie, die Venetian Heads II von 1995 bis 1996, aus der Ocean und Night stammen. In kleinen Auflagen von sieben bzw. zehn Stück entwickelte Kogelnik ihre Arbeiten mit dem legendären Glasbläser Danilo Zanella, der ihren aquarellierten Entwürfen folgend die technisch herausfordernde Umsetzung im Beisein der Künstlerin ausführte. Die Arbeit der Glasbläser, die von extremer Hitze und einer ausgefeilten Choreographie blitzschneller Abläufe geprägt ist, um beeindruckend delikate Objekte hervorzubringen, bereicherte das Oeuvre von Kiki Kogelnik mit einem letzten und wohl für sie selbst unerwarteten künstlerischen Flow der zum Synonym ihrer Weltsicht als der “vielleicht einzigen Pop-Künstlerin Österreichs“, wie sie sich selbst bezeichnete, geworden ist. (Claudia Lehner-Jobst)