Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

16. Juni 2015, 16:30 Uhr

0242

Albin Egger-Lienz

(Stribach bei Lienz 1868 - 1926 St. Justina bei Bozen)

„Wirtshaus in der Tammerburg bei Lienz“
1890
Öl auf Leinwand
84 × 60 cm
Signiert und bezeichnet rechts unten: A. Egger / Danerburg / A.E. 90

Provenienz

Sammlung Franz Hauer, Wien; Dorotheum Wien, 20.-23.03.1918, Nr. 69; Privatsammlung Schweiz

Literatur

Heinrich Hammer, Albin Egger-Lienz. Innsbruck, Wien, München 1930, S. 261; Wilfried Kirschl, Albin Egger Lienz. 1868-1926. Das Gesamtwerk, Wien-München 1996, Bd.II, Nr. M 54, S. 507

 € 14.903

Der Maler Albin Egger-Lienz wurde am 29. Jänner 1868 Stribach (Osttirol) geboren. Sein künstlerisches Talent wurde von seinem Vater, dem Kirchenmaler und Fotografen Georg Egger, früh erkannt und gefördert. Seine Ausbildung erhielt er ab 1884 an der Akademie der bildenden Künste in München bei Karl Raupp, Gabriel von Hackl und Wilhelm Lindenschmidt. Neben der Malerei der Münchner Schule sowie der französischen Pleinair-Malerei hatte besonders die Kunst Franz von Defreggers Einfluss auf sein frühes Werk. Später lässt sich vor allem durch die Beschäftigung mit der Kunst Ferdinand Hodlers eine Vereinfachung der Formensprache im Werk von Egger-Lienz beobachten. Ab 1899 lebt der Künstler mit seiner Frau in Wien, wo er Mitglied des Wiener Künstlerhauses sowie der Wiener Secession wurde. In den Jahren 1912/13 erhielt er eine Professur an der Hochschule für bildende Kunst in Weimar. 1926 starb der Künstler in St. Justina in Südtirol.

Vorliegendes Werk entstand im Jahr 1890. Zu dieser Zeit war Egger noch Student an der Münchner Akademie, wo er im Herbst 1893 seinen Abschluss machte. Nachweislich verbrachte Egger-Lienz während seiner Studienzeit die Sommermonate immer wieder in seiner Heimat Osttirol. Die Tammerburg befindet sich in Lienz und bot zahlreiche interessante Architekturmotive, die der Künstler als Hintergründe für seine Werke verwendete. Stilistisch ist in der Wirtshausstube noch der Einfluss der altniederländischen Malerei bemerkbar. Während seiner Akademiezeit fertigte der junge Künstler Kopien nach Alten Meistern der Münchner Alten Pinakothek an. Im stimmungsvollen Hell-Dunkel der Wirtshausstube wird dieser Einfluss sichtbar. Einsam sitzt ein Bauer in der Ecke des Raumes an einem Tisch. Als einziger Farbakzent dient ein rotes Tuch auf einem Sessel, ansonsten hat der Künstler den mit Holz getäfelten Raum in erdigen Braun- und Ockertönen gestaltet. Stille und Besinnlichkeit sind das beherrschende Thema und zeigen Eggers Gespür für die "unscheinbaren" Dinge seiner Umgebung. (MS)