Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

16. Juni 2015, 16:30 Uhr

0229

Ferdinand Georg Waldmüller

(Wien 1793 - 1865 Helmstreitmühle bei Mödling)

„Kind unter einem blauen Seidenvorhang hervorschauend“
1821
Öl auf Leinwand
44 × 35 cm
Signiert unten mittig: Waldmüller. 1821.
Rückseitig bezeichnet: Waldmüller 1821

Provenienz

Wawra, Wien, 253. Kunstauktion, 29.01.1919, Nr. 166; A. Kende, Wien, 111. Kunstauktion, 27.11.1931, Nr. 336; Dorotheum Wien, 19. Juni 1979, Nr. 138, Tafel XXIX (Abb.); Wiener Privatsammlung

Literatur

Bruno Grimschitz, Ferdinand Georg Waldmüller, Salzburg 1957, Nr. 82, S. 282 (Abb.); Rupert Feuchtmüller, Ferdinand Georg Waldmüller. Leben-Schriften-Werke, Wien 1996, WV-Nr. 92, S. 427 (Abb.)

€ 80.000

Vorliegendes Kinderbildnis ist ein wunderbares Beispiel, wie Waldmüller Porträt und Genredarstellung miteinander verknüpfte. Gerade in seiner frühen Schaffensperiode spielten Darstellungen von Kindern eine wichtige Rolle in seinem Oeuvre und haben auch wesentlich zu Waldmüllers Popularität beigetragen. Kompositorisch ist hier der Einfluss des sog. „Nischenstücks“, welches in der altniederländischen Malerei sehr beliebt war zu spüren. Waldmüller kannte solche Beispiele von seiner Kopiertätigkeit. Bei diesen Werken aus dem 17. Jahrhundert, wurde eine Person aus einem Fenster blickend oder von einer Nische gerahmt dargestellt. Dieser Kunstgriff „rahmt“ das Porträt zusätzlich und erzeugt einen besonderen Reiz. Waldmüller findet in unserem Werk jedoch zu einer neuen, „modernen“ Lösung. Lebendig und unmittelbar erfasste er die Szene. Nicht ein starrer Fensterrahmen, sondern ein locker drapierter blauer Vorhang rahmt ein blondgelocktes Kind, welches keck dem Betrachter entgegenblickt. Das Lächeln des Mädchens wirkt ansteckend und Waldmüller hat mit großem Können den fröhlichen Charakter des Kindes in einer gelungenen Momentaufnahme festgehalten. Darüber hinaus fasziniert Waldmüllers künstlerische Fertigkeit in der Darstellung des Stofflichen. Der glänzende Vorhang, das seidig schimmernde Haar des Kindes, oder der zarte Stoff des weißen Kleides zeigen seine Meisterschaft in der Oberflächengestaltung. Das Zusammenspiel von Detailrealismus und der frischen Lebendigkeit der Darstellung machen vorliegendes Gemälde zu einem frühen Beispiel in Waldmüllers Oeuvre, welches seine ausgezeichnete Beobachtungsgabe und seine schon damals perfektionierte Technik beeindruckend widerspiegelt. (MS)