Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

16. Juni 2015, 15:00 Uhr

0046

Raffaello Sanzio, genannt Raphael Nachfolger

(Urbino 1483 - 1520 Rom)

„Maria und hl. Elisabeth mit Christuskind und Johannesknabe“
16. Jahrhundert
Öl auf Holz
73,5 × 55 cm

Provenienz

Wiener Privatbesitz

€ 15.000 - 30.000

Der Aufbau dieser bildlichen Darstellung der Madonna mit Kind in Begleitung von Johannes dem Täufer und der heiligen Elisabeth geht in das frühe 16. Jahrhundert zurück. Der Prototyp für diese Bildtradition war eine heute leider verlorene Zeichnung von der Hand Raffaels mit demselben Thema. Ein nahes Zeugnis dieser Komposition stellt die sogenannte „Madonna del Divino Amore“ aus der Werkstatt Raffaels im Museo e Gallerie Nazionali di Capodimonte in Neapel dar (Inv.-Nr. 146, siehe Jürg Meyer zur Capellen, Raphael. The Paintings, Volume II, S. 247, WVZ-Nr. A8).

Zahlreiche Künstler nahmen dieses Motiv auf, wie beispielsweise Bartolomeo della Porta oder Pier Francesco Foschi (siehe Archiv Fondazione Zeri Nr. 31982 und 34277). Um 1520/30 stach Marcantonio Raimondi die Komposition in Kupfer, wodurch diese zusätzlich weite Verbreitung fand. Auch das vorliegende Gemälde geht auf dieses Raffael-Vorbild beziehungsweise den genannten Kupferstich zurück. Der Künstler platzierte die Figuren allerdings in einen Innenraum und lockerte diesen durch eine wohl flämisch inspirierte Fensteröffnung mit Ausblick auf eine Stadt auf. Es kann somit als Vorzeigebeispiel gesehen werden, wie rege der Austausch zwischen Italien und der Kunst nördlich der Alpen war und wie fruchtbar sich beide Strömungen gegenseitig durchdrangen.