Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

16. Juni 2015, 15:00 Uhr

0039

„Waldlandschaft mit steigendem Hengst und vielen Waldtieren“
Öl auf Holz
51 × 75 cm

Provenienz

Privatbesitz, Österreich

Kurz-Gutachten Dr. Klaus Ertz, Lingen den 26. August 2014, liegt bei.

€ 31.000

Das Gemälde zeigt zahlreiche Tiere in einer felsigen Waldlandschaft. Im Bildzentrum ist ein steigender Araberhengst zu sehen, der schnaubend seine braune Stute vor einer Wildkatze verteidigt. Links neben den Pferden befinden sich auch die wohl exotischsten Vertreter im Gemälde: während in sicherer Höhe ein Papageienpärchen entspannt auf einem umgefallenen Baumstamm schnäbelt, stellt sich am Boden ein Stachelschwein mit aufgestellten Borsten einer leguanartigen Echse entgegen.
Dass das Augenmerk des Betrachters unweigerlich zuerst auf diese Szenerie fällt, ist nicht allein dem gekonnt umgesetzten Kontrast zwischen dynamischer Bewegtheit bzw. abwartender Starre aller beteiligten Tiere geschuldet, sondern wird auch kompositorisch durch die Anlage der Landschaft unterstrichen. So wird die links und rechts durch Fels- und Waldpartien gerahmte Landschaft auch mittig durch eine weitere Erhebung mit Baumbestand dominiert, während sich dazwischen reizvolle Landschaftsausblicke in die Ferne öffnen. Der zentrale Hügel hinterfängt das erdige Plateau, das den Hauptschauplatz des Geschehens bildet. Auch die weiteren Tiere an den Bildrändern beobachten alle den ungewiss ausgehenden Kampf der ungleichen Gegner im Bildzentrum. So ist links ein neugieriges Fuchspärchen zu erkennen, welches sich hinter einem abgestorbenen, verwurzelten Baumstamm im Hintergrund hält. Rechts hingegen wartet gemächlich ein Löwe in seiner Höhle, während sich auf einem Felsvorsprung darüber ein Luchs zum Sprung bereit hält. Zahlreiche gefiederte Lebewesen, wie die im Baum sitzende Eule, der aufgescheuchte Greifvogel oder die im Fluss schwimmenden Schwäne beleben das Gemälde weiter.
Der Reiz der Darstellung liegt noch heute in der Tatsache, dass in einem Gemälde Tiere versammelt werden, die sich so in freier Natur wohl nie begegnen würden. Die Künstler entnahmen ihre Vorstellung der exotischen Tiere aus Zeichnungen und Reiseberichten von Kollegen oder hatten vereinzelt, wie beispielsweise Roelant Savery (1576-1639), die Möglichkeit einige Tiere aus fernen Ländern im Prager Zoo Kaiser Rudolfs II. zu studieren.

Das vorliegende Gemälde steht ganz in der charakteristischen savery'schen Familientradition brillante Tierdarstellungen eingebettet in eine abwechslungsreiche Waldlandschaft zu schaffen. Jacob Savery der Jüngere war Sohn von Jacob Savery dem Älteren (1565/67-1603), welcher auch bereits seinen jüngeren Bruder Roelant Savery (1576-1639) in der Werkstatt ausgebildet hatte. Die ursprünglich aus Flamen stammende Malerfamilie flüchtete in den 1580er Jahren aus Glaubensgründen in die nördliche Niederlande, blieb jedoch bis weit in das 17. Jahrhundert hinein auch dort ihren künstlerischen, flämischen Wurzeln treu verbunden.