Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

16. Juni 2015, 15:00 Uhr

0040

Jan Brueghel der Jüngere

(1601, Antwerpen - 1678, Antwerpen)

„Blumenstrauß in einer skulptierten Vase“
um 1630
Öl auf Holz
117 × 81 cm

Provenienz

Provenienz:
in den 1920er Jahren von William D. Elsas (1884–1968) und Erna B. Elsas (1893–1978), Stuttgart/ Deutschland, erworben - das Ehepaar Elsas emigrierte 1938 und hat das Gemälde mit nach New York/ USA genommen;
1978 an die Tochter Eve Guggenheim, geb. Elsas (1928–2004), South Carolina, vererbt;
2004 durch Erbschaft an William M. Guggenheim;
direkt von ihm an den derzeitigen Besitzer

Gutachten Dr. Klaus Ertz, Lingen, den 7. Juni 2011, liegt bei.

 € 2.100.000

Dieses prächtige Blumenbouquet zeichnet sich besonders durch die bemerkenswert große Anzahl verschiedenster Blüten aus, welche auf engstem Raum in einer kunstvollen Komposition präsentiert werden. Über 50 verschiedene Blumen lassen sich identifizieren. Es sind dabei unterschiedlichste Arten von Lilien, Tulpen, Rosen und Nelken zu erkennen, unter ihnen auch zahlreiche Hybridsorten, die heute so nicht mehr zu finden sind. Gemeinsam mit Glockenblumen, Mohn, Schneebällen und Narzissen bilden sie einen bis ins kleinste Detail perfektionistisch ausgeführten „Blütenteppich“. Der dunkle Hintergrund wirkt als Folie, vor der sich dieser prächtige Blumenstrauß abhebt, während die Komposition aus sich überschneidenden Blüten, Stängeln und Blättern die Plastizität des Straußes betont.
Derartige Blumenstücke faszinieren damals wie heute auf mehreren Ebenen. Die Komposition erlaubt dem Betrachter gleichzeitig die Schönheit der Blumen, als auch die Fähigkeit des Künstlers, welcher diese so gekonnt verewigte, zu bewundern. „Gerade die Blumenbilder feiern den Triumph der Malerei über die Vergänglichkeit der Natur. Erst in ihrer kunstvollen Inszenierung von Natürlichkeit bei gleichzeitigen Illusionsbrüchen können sie ihre virtuose Künstlichkeit zur Geltung bringen.“ (Barbara Welzel, Kunstvolle Inszenierung von Natürlichkeit. Anmerkungen zu den Blumenstilleben Jan Brueghels d. Ä., in: Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung, Laufhütte 2000, S. 556).

Das Blumenbouquet entspricht im Aufbau den prunkvollen Blumensträußen Jan Brueghels des Älteren (1568-1625). Dieser prägte als einer der Gründungsväter des autonomen Blumenbildes die Urtypen der um 1600 neu entstandenen Gattung entscheidend mit. So ist auch der vorliegende Blumenstrauß in einem rundlichen Oval aufgebaut. Seine nahezu explodierende Blütenpracht, welche einer mit grotesken Ornamenten verzierten Vase entwächst, hebt sich von einem diffus dunklen Hintergrund ab. Auch der Kunstgriff die Blicke des Betrachters mit einer oben mittig platzierten Kaiserkrone und markant großen Blüten im oberen Bereich auf sich zu ziehen, kommt hier zur Anwendung. Er ist bereits um 1606/07 im sogenannten „Wiener Kaiserkronenstrauß“ zu finden (vgl. Jan Brueghel d. Ä., "Wiener Kaiserkronenstrauß", um 1606/1607, Öl auf Holz, 97,5 cm x 73 cm, Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie, Inv.-Nr. GG_570).
Jan Brueghel der Jüngere hatte nach dem Tode des Vaters, Jan Brueghel der Ältere, im Jahre 1625 dessen Atelier übernommen. Er hatte bereits zuvor gemeinsam mit dem Vater, aber auch eigenständig, Blumensträuße ausgeführt und setzte selbst die Tradition als erfolgreicher Blumenmaler auf höchstem Niveau fort. (vgl. Ertz/ Nitze-Ertz 2008-10, Band III, Kat. 449) Auch dem Prinzip des Gemeinschaftswerkes, d.h. Gemälde mit anderen Künstlern innerhalb und außerhalb der eigenen Werkstatt auszuführen, blieb Jan Brueghel der Jüngere treu. Er arbeitete weiterhin mit etablierten Größen wie Peter Paul Rubens, Frans Snyders oder Joos de Momper zusammen.
„Das zu begutachtende Gemälde, das in der Pinselschrift und der handwerklichen Perfektion an das große Vorbild erinnert, deutet in der Datierung auf einen nicht allzu großen zeitlichen Abstand zum Werk des Vaters hin.“ Neben vormaligen Aufträgen von kirchlichen und weltlichen Fürsten hatte auch das Bürgertum seine wohl bis heute herrschende Vorliebe für Blumenbilder gefunden. „In dieser neuen Begeisterung hat Jan Brueghel der Jüngere seinen Platz in der Kunst gefunden. Mit dem vom Vater erworbenen Talent, mit seinem technischen Können befriedigt er eine große Nachfrage nach Brueghel'schen Blumenbildern. Deshalb ist das Wiederaufnehmen einer schon bekannten Blumenkomposition mit allerdings wichtigen Veränderungen in damaliger Zeit auch nach Jahren durchaus üblich.“ (vgl. Gutachten Dr. Klaus Ertz)
Der einem Künstler und seiner Werkstatt zur Verfügung stehende Blumenfundus wurde durch das Variationsbedürfnis und die wachsende Nachfrage stets erweitert. So weiß man von Jan Brueghel dem Älteren, dass der Künstler mehrfach von Antwerpen nach Brüssel reiste, um vor Ort im Hofgarten des Erzherzogs die Naturschönheiten zu studieren und zu malen, da besonders exotische und seltene Gewächse zu teuer und zu rar gewesen wären, um deren blühendes Leben für eine Reise ins Atelier zu beenden. Neben dem Naturstudium dienten wohl auch Florilegien, Werke anderer Künstler sowie eigene Skizzen und Gemälde als Detailvorlagen. Besonders die ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstandenen Stiche oder Aquarelle, wie von Joris Hoefnagel (1542–1601) oder Georg Flegel (1566–1638), gelten heute als potentielle Antriebskraft und Inspirationsquelle für die Entstehung des Blumenstilllebens. Der Vasentypus auf vorliegendem Gemälde findet sich so beispielsweise schon auf einem Werk des ausgehenden 16. Jahrhunderts, welches durch einen Kupferstich von Claes Jansz. Visscher (1587-1652) überliefert ist (vgl. Sam Segal, Flowers and Nature. Netherlandish Flower Painting of four Centuries, Den Haag 1990, S. 168f).

Wir danken Fred Meijer, RKD, Den Haag, der das Gemälde ebenfalls im Original untersucht hat, für seinen Hinweis, dass an dem Blumenbouquet möglicherweise mehrere Hände beteiligt waren, was gerade in der Werkstatttradition in dieser Zeit nicht ungewöhnlich ist. Er sieht dabei größere Einflüsse der Frankfurter Schule um Georg Flegel als eine flämische Orientierung an Jan Brueghel dem Älteren, weshalb er auch eine Entstehung unter direktem Einfluss von Georg Flegel für möglich hält. Das Beiwerk aus Muscheln und Schnecken, sowie der Hund stammen ebenso von einer weiteren Hand.