Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

12. Mai 2015, 17:00 Uhr

0034

Franz Lerch*

(Wien 1895 - 1977 New York)

„Sizilianisches Fischerdorf“
1930
Öl auf Leinwand
60 × 80 cm
Signiert und datiert links unten: F. Lerch 30
Rückseitig auf altem Etikett bezeichnet: Franz Lerch III. Hetzg. 30 / Sizil. Fischerdorf

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

Ausstellung

2014/2015 Wien, Unteres Belvedere (Hagenbund - Ein europäisches Netzwerk der Moderne. 1900 bis 1938, vom 11. Oktober 2014 bis 1. Februar 2015)

Literatur

Agnes Husslein-Arco, Matthias Boeckl, Harald Krejci, Katalog Hagenbund - Ein europäisches Netzwerk der Moderne. 1900 bis 1938, Ausstellung im Unteren Belvedere, Wien, vom 11. Oktober 2014 bis 1. Februar 2015, Tafel 170, Abb. S. 403

€ 22.000

Franz Lerch gehört zu jener Generation, die durch ihre Emigration für die österreichische Kunstlandschaft verloren war. Der Künstler war ab 1927 Mitglied des Hagenbundes und gehörte in den Zwischenkriegsjahren zu den Avantgardisten der österreichischen Maler. 1939 flüchtete er über Großbritannien in die USA, wo er 1977 in New York verstarb. Vor seiner Abreise vernichtete er einen Großteil seiner Werke, wodurch hauptsächlich jene erhalten sind, die sich zu der Zeit schon in Privatbesitz befanden.

Das "sizilianische Fischerdorf" ist 1930 wohl auf einer Studienreise nach Italien entstanden. Typisch für Franz Lerch, dessen Arbeiten der in den 1920er Jahren aufkommenden Neuen Sachlichkeit zugerechnet werden können, ist ein gleichmäßiger Farbauftrag mit „in sich geschlossenen, homogenen Flächen, die der Ansicht eine große Ruhe und Statik verleihen“ (Ausstellungskatalog, Die verlorene Moderne. Der Künstlerbund Hagen. 1900 – 1938, Österreichische Galerie im Schloß Halbturn, Halbturn 1993, S. 151). Auch der bewusste Einsatz von Licht- und Schattenzonen ist in der Malerei Franz Lerchs typisch für diese Zeit. Die Nachmittagssonne steht noch hoch am Himmel, was die fast direkt unter den Rümpfen der bunten Boote stehenden Schatten belegen. Die an der rechten Seite der kleinen Sandbucht liegenden Fischerhäuser liegen im Schatten, während die Gebäudefront Richtung Meer hell ausgeleuchtet ist. Fast erinnert die Szenerie an die metaphysischen Landschaften Giorgio de Chiricos, leicht mystisch und entrückt, wie verzaubert wirkt die ruhende Fischerbucht in der Nachmittagssonne. Ein paar kleine Menschengestalten im Hintergrund holen den Betrachter in die Wirklichkeit zurück und die zum Trocknen aufgehängten weißen Tücher an der Mole oder an den Balkonen der Häuser sind lebendige Spuren der Bewohner des Dorfes. Die leuchtenden Farben der Boote und der rechten, roten Häuserfront verweisen auf die italienische Lebensfreude, die während der heißen Stunden des Tages lediglich eine Pause eingelegt hat. (Sophie Cieslar)