Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

12. Mai 2015, 17:00 Uhr

0042

Alfons Walde*

(Oberndorf 1891 - 1958 Kitzbühel)

„Berghof“
1928/1930
Öl auf Karton
42 × 59,5 cm
Signiert rechts unten: A. Walde
Originalrahmen

Provenienz

Tiroler Privatbesitz

Gutachten von Dr. Gert Ammann, 20. Dezember 2011, liegt bei.
Das Bild ist im Werkarchiv von Alfons Walde registriert.

€ 180.000

Gutachten von Dr. Gert Ammann, 20. Dezember 2011:
"Das mir am 20. Dezember 2011 im Original vorgelegte Gemälde 'Berghof' ist meines Erachtens ein eigenhändig vom Kitzbüheler Maler Alfons Walde (1891-1958) gemaltes Werk.
Das Gemälde ist in Öl auf Karton, 42 x 59,5 cm, gemalt und rechts unten mit A. Walde signiert. Die Rückseite ist mit einem rotbraunen Anstrich versehen, wie dies Alfons Walde meist bei Ölgemälden auf dünnem Malkarton tat. In der Mitte war ursprünglich ein Etikett aufgeklebt, die rechte untere Ecke mit dem von Walde eigenhändig geschriebenen Text zeigt die Buchstaben "(h)el" (im Vergleich mit Bezeichnungen auf anderen Etiketten dürfte es sich um das Wort Kitzbühel handeln). Der Rahmen mit der breiten Hohlkehle und der Silberfärbelung ist original.

Ein stattlicher Bergbauernhof erhebt sich auf einer ausgeaperten Wiese vor der mächtigen Kulisse des Wilden Kaisers. Die Figur einer Bäuerin mit einem Kind am Arm ist als Staffagefigur rechts in den Vordergrund eingeschoben. Durch diese Position wird die räumliche Tiefenwirkung noch verstärkt. Das Kolorit weist die für Walde charakteristischen Farbtöne auf: Die Nuancierung von Braunwerten auf der ausgeaperten Wiese im Vordergrund und auf den in Holz gezimmerten Teilen des Bauernhofes sowie die Variationen von Blautönen im Bereich des felsigen Gebirges mit den tiefblauen Schattenpartien. Die Schneepassagen sind wie Glanzlichter dem Sujet eingebunden. Der vehement gesetzte Pinselduktus betont die in Teilen fast skizzenhafte Farbmodellierung. Bezeichnend für Waldes Malstil sind auch jene Passagen, in denen er den Bildträger (brauner Karton) an den Konturlinien durchscheinen lässt, also die Farbfelder nicht unmittelbar aneinander fügt.

In der motivlichen Zusammenfügung von Bauernhaus und Bäuerin mit Kind erinnert das Gemälde an den 'Einsamen Berghof' (s. G. Ammann, 2005, S. 115 aus dem Jahr 1934), ist aber in der Komposition monumentaler gestaltet. Gustinus Ambrosi erkennt in einem Brief vom 5. Dezember 1926 die Tendenz zu einer großzügig gefundenen Komposition bei Walde, die sich seit der Mitte der Zwanzigerjahre bis gegen 1930 breit macht: 'Der Umriß, die Linien werden immer monumentaler und einfacher.' (Ammann, 2015, S. 162).
Alfons Walde hat das Motiv in einer Farbpostkarte in seinem Verlag als Nr. 21 aufgelegt.

Das Gemälde 'Berghof' dürfte in den Jahren 1928/30 entstanden sein, zumal Waldes Palette zu Beginn der Dreißigerjahre kleinteiliger und pastoser wird, hier aber noch eine breite Pinselführung aufweist. Das Sujet vermittelt jene Harmonie von Natur und Mensch, die stets im Werk Waldes auftritt und zu einem Markenzeichen seiner Kunst wird."