Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

12. Mai 2015, 17:00 Uhr

0038

Ernst Nepo*

(Dauba 1895 - 1971 Innsbruck)

„Liegende Schwangere in der Sonne“
1922
Öl auf Leinwand
110 × 140 cm
Monogramm-Stempel rückseitig

Provenienz

aus dem Nachlass des Künstlers; österreichischer Privatbesitz

€ 35.000 - 70.000

Ernst Nepo gehört zu den wichtigsten Vertretern des Farbexpressionismus und in der Folge der Neuen Sachlichkeit in Österreich. Die Kunstlandschaft der 1920er Jahre ist geprägt von verschiedensten Strömungen, die aus Deutschland und Frankreich kommen und auf die jungen Künstler der Zeit enormen Eindruck machen. Einerseits ist es der Kubismus, andererseits die expressive Malerei der Mitglieder des Blauen Reiter und der Brücke, die auch die österreichische Kunst revolutionieren. Maler wie Ludwig Ferdinand Graf, Georg Jung, Carry Hauser oder eben auch Ernst Nepo entwickeln nach 1920 ihre ganz eigene Art des kristallinen bzw. orphischen Kubismus und der farbexpressionistischen Malerei.

Die „Liegende Schwangere in der Sonne“ ist 1922 entstanden. Zu dieser Zeit hatte sich Nepo, der in Teplitz-Schönau und Wien studiert hatte, in Innsbruck niedergelassen. Auch dort bewegt er sich in einem äußerst aufgeschlossenen Umfeld. Er steht in Kontakt mit Malern wie Alphons Schnegg und Wilhelm Nikolaus Prachensky, Vater von Markus Prachensky. Mit ihnen gemeinsam gründet er 1924 die Künstlervereinigung „Die Waage“, die eine Plattform für neue Kunst in Tirol darstellt. Vorliegendes Bild steht an der Schwelle zwischen Expression und Sachlichkeit. Farbgebung und Kompositionsweise erinnern an Bilder Franz Marcs, neben Wassily Kandinsky Mitbegründer des Blauen Reiter. Die Farbe dient nicht mehr der illusionistischen Darstellung eines Gegenstandes, ein Prinzip, das die Fauvisten in Weiterentwicklung des Impressionismus, angewendet haben. Sie ist Stimmungsträger und wird eingesetzt, um die Illusion eines Raumes zu erschaffen. Der landschaftliche Hintergrund besteht angelehnt an Futurismus und orphischen Kubismus aus weitgehend abstrakten Formen. Die gezackten Berggipfel, die mit ihren Spitzen im Kontrast zu den runden Formen des Vordergrunds stehen, kreisen um die strahlend gelbe Sonne. Alles in diesem Bild scheint sich dem lebensspendenden Himmelskörper zuzubewegen. Auch die Schwangere reckt ihren Leib der Wärme und dem Licht entgegen, scheint fast zu schweben. Ernst Nepo spielt in diesem Bild auch mit der Farbsymbolik. Die zahlreichen Rottöne stehen für das Leben, Grün ist die Farbe der Hoffnung, des Glücks und der Unsterblichkeit, Gelb steht für die Ewigkeit. Links im Bild ragt eine Pinie empor, der Lebensbaum im Christentum, dessen Zapfen als Fruchtbarkeitssymbol gelten. (Sophie Cieslar)