Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

12. Mai 2015, 17:30 Uhr

0065

Herbert Brandl*

(Graz 1959)

„o.T.“
2009
Öl auf Leinwand
200 × 300 cm
Rückseitig signiert und datiert: Brandl 09
Rückseitig monogrammiert und datiert: HB 09

Provenienz

Privatsammlung, Wien

€ 35.000 - 70.000

„Man besteigt einen Berg, weil er da ist; man macht ein Kunstwerk, weil es nicht da ist“ (Ulrich Look, Die fernen Berge und Malerei wie eine Wand, in: Ausstellungskatalog, Herbert Brandl, Neue Galerie im Künstlerhaus Graz, Graz 2002, S. 362). Herbert Brandls „Bergbilder“ nehmen eine besondere Stellung im Schaffen des Künstlers ein. Zunächst sind es unbestimmte Gebirgsmassive, dann konkret Gipfel des Himalaya-Massivs oder das Matterhorn, um 2002 wieder verschwommenere, nach schwarz-weiß Fotografien gemalte Impressionen, die in seine Malerei Einzug halten. Es geht Brandl um die Dimension der Höhe, die Darstellung eines aufragenden Objektes und in weiterer Folge immer mehr um die „Handhabung der Farbmaterie“ (s.o., S. 365) und somit um eine Verschiebung von Körperlichkeit zu einer verstärkten Visualität.

Herbert Brandl „ist angetreten, das Malen zurückzuerobern“ (Peter Pakesch, Bedeutung auslöschen und erzeugen, www.herbertbrandl.com). In seinen Bildern erschafft er, nachdem er alle Motive gedanklich getilgt hat, neue Welten. Mittels Farbe und Licht entsteht auf der Leinwand Leben. Ist es ein sonnenbeschienener, schneebedeckter Berggipfel, der vor dem Betrachter steil in die Höhe ragt, oder ist es nur graue Farbe in unterschiedlichen Schattierungen, die den Bildträger seiner Zweidimensionalität entreißt? „Der Gegenstand dieser Malerei ist die Malerei, ihre Wahrnehmung und Reflexion, ihre Auslöschung und Auferstehung in einer anderen Welt“ (Peter Pakesch, s.o.).

Spannung erzeugt der Künstler auch durch die Gegensätze Dynamik und Kontemplation. Einerseits versetzt uns die Lichtführung in eine ruhige Stimmung, in der wir unsere Gedanken ins Weite schweifen lassen, andererseits wühlt einen die wilde Pinselführung in der unteren Bildhälfte auf. Die Arbeiten der späten 2000er Jahre sind geprägt von einer reduzierten Farbpalette. Motivisch knüpft Herbert Brandl an die Gebirgsbilder der Jahre 2001/2002 an. Doch die Berglandschaft ist viel weniger konkret, sie scheint hinter Farbnebeln hervorzuwachsen, die abstrakten Bildwerte haben wieder Oberhand gewonnen. (Sophie Cieslar)