Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

12. Mai 2015, 17:30 Uhr

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Kiki Kogelnik*

(Bleiburg 1935 - 1997 Wien)

„Vanitas (aus der Serie "Venetian Heads I")“
1994
Muranoglas
H. 56 cm
Glasmanufaktur Berengo, Venedig
Auflage 7 + III A. P.(römisch nummeriert) + 4 A.P. (arabisch nummeriert)
Monogrammiert und numeriert am Sockel: K.K. A.P. 2/4

Provenienz

Privatbesitz, Wien

Ausstellung

2006 Wien, Galerie bei der Albertina-Zetter; Strictly Kiki perfectly Kogelnik

Literatur

Galerie bei der Albertina-Zetter (Hg.),Strictly Kiki perfectly Kogelnik. Ausstellungskatalog, Wien 2006, Abb. S. 81.

€ 19.000

1994 beginnt Kiki Kogelnik erstmals in Murano mit Glas zu arbeiten. Hatte sie davor mit den unterschiedlichsten Materialien experimentiert (Metall, Keramik, Vinyl, Kunststoff, Aluminium) so versucht sie sich nun in einem gänzlich neuen Arbeitsstoff. In diesem Jahr entsteht eine erste Glasserie die „Venetian Heads I“, der auf Grund des enormen Erfolges noch weitere folgen sollten. Die Köpfe dieser Werkreihe sind in einer äußerst niedrigen Auflage von nur sieben Exemplaren gefertigt worden. Daher sind sie auch in Sammlerkreisen besonders beliebt und gefragt. 1995 wurde die gesamte Serie anlässlich des 60. Geburtstages der Künstlerin im Unteren Belvedere in Wien gezeigt sowie 1996 im The Chicago Athenaeum, Museum of Architecture and Design.

Vanitas ist der Titel vorliegender Arbeit. Der Schädel ist in der Kunst eines der ikonographisch gebräuchlichsten Symbole für die Vergänglichkeit alles Irdischen. Der Kopf, das Gesicht spielt auch im Schaffen Kiki Kogelniks eine tragende Rolle. Mittels ihrer oft maskenartig anmutenden Bildfindungen und Objekte gelingt es ihr, Gefühle und Emotionen in einer auf einfachste Formen reduzierten Art und Weise zum Ausdruck zu bringen. Der weiße Glaskopf der auf einem tischartigen Sockel, getragen von einem Hühnerbein, thront, erinnert an einen Geist, eine Gestalt aus einer anderen Daseinsebene. Das kräftige, schwarze Vogelbein mit roten Krallen führt uns in die Welt der Sagen und Mythen. Die böse Hexe Baba Jaga wohnt in einer Hütte, die auf Hühnerbeinen steht und auch der Teufel verrät sich durch ein Hühnerbein, wenn er in Menschengestalt trachtet, einen Irdischen für sich zu gewinnen. In ihrer einfachen Formensprache bedient sich Kiki Kogelnik immer wieder eingängiger Symbole, die beim Betrachter sofort Assoziationen wachrufen. Dabei interessiert sie nicht das Abstrakte, sondern Ersatzsymbole, die sich „im Gedächtnis einprägen wie ein Schatten“ (Ausstellungskatalog, strictly KIKI perfectly KOGELNIK , Galerie bei der Albertina, Wien 2006, S. 8).

Mit den „Venetian Heads“ erreicht Kiki Kogelnik den Höhepunkt ihres späten Werks. „Die Head-pieces aus Muranoglas haben einen schmelzartigen, metamorphen Zauber… In keinem anderen Werkstoff… gelang es der Künstlerin je, so eindringlich multiperspektivische Köpfe zu schaffen“ (Jan Ernst Adlmann, Kopf/Schmuck: Form/Inhalt, in: Ausstellungskatalog, Kiki Kogelnik. Retrospektive, Österreichische Galerie Belvedere, Wien 1998, S. 47). (Sophie Cieslar)