Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

12. Mai 2015, 17:30 Uhr

0085

Alfred Kornberger*

(Wien 1933 - 2002 Wien)

„Schreibtisch im Atelier“
1996
Öl auf Leinwand
160 × 200 cm
Signiert rechts unten: Kornberger

Provenienz

österreichische Privatsammlung

Ausstellung

2013 Wien, Künstlerhaus Wien

Literatur

Smola Franz, Alfred Kornberger (1933-2002). Der Akt als Innovation, 1. Aufl. Wien 2007, Abb. S. 207
Künstlerhaus Wien (Hg.), Alfred Kornberger 1933 - 2002. Das Spektrum des Universums, Retrospektive anlässlich des 80. Geburtstages, Ausstellungskatalog, Künstlerhaus Wien, Wien 2013, Abb. S. 149

Die Arbeit ist im Werkverzeichnis unter der WVZ-Nr.1013 angeführt.

 € 30.000 - 60.000

Alfred Kornberger, dessen Schaffen von der Mitte der 50er bis in die späten 90er Jahre reicht, beginnt seine künstlerische Karriere als Lithograph und setzt sich später auch mit Skulptur und Schmuckkunst auseinander. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt aber stets auf der Ölmalerei und dem klassischen Tafelbild. Sein ihm manchmal als Vorwurf angelasteter Hang zum Stilpluralismus resultiert aus einer Neugier an den zeitgenössischen Ausdrucksmöglichkeiten der Malerei, mit denen er experimentiert. Obwohl Kornberger zu Lebzeiten keine größere Bekanntheit erfuhr, kann er in vielerlei Hinsicht als exemplarisch für seine Zeit gesehen werden. „Kornberger zählt in der Tat zu den versteckten Talenten, zu den Geheimtipps unter Kennern, die es in der vielfältigen Kunstlandschaft Österreichs nach 1945 nach wie vor noch zu entdecken gibt.“ (Franz Smola, in: Alfred Kornberger (1933 – 2002). Der Akt als Innovation, Wien 2007, S. 9.)
Während ein Großteil seines Werks der menschlichen Figur, insbesondere dem weiblichen Akt gewidmet ist, fügt sich „Schreibtisch im Atelier“ in eine Reihe von Atelierszenen ein, die im Gegensatz zu den unruhigen Aktmalereien klare, geometrische Formen und Lokalfarben zeigen.
Das Fehlen der normalerweise die Atelierbilder bevölkernden Aktmodelle lässt das Gemälde im ersten Moment unpersönlich und rein dekorativ erscheinen. Auf den zweiten Blick offenbart sich die Intimität des Dargebotenen: Hier wird keine Alltagsszene im Leben eines Malers gezeigt, sondern ein Fenster in sein Inneres. Die strahlenden Farben des Mobiliars und der Gegenstände am Tisch kontrastieren mit dem schwarzen Hintergrund, der den Blick des Betrachters versperrt. Die Utensilien eines ganzen Lebens, der Mittelpunkt einer Existenz bietet sich auf dem uns entgegen gekippten Tisch dar. Ein Ausblick ist beiden, Künstler und Betrachter, verwehrt. „Mit Recht lässt sich diese auffällige Dokumentation des Arbeitstisches als verstecktes Selbstporträt des Künstlers auffassen. Unheimlich erscheint in diesem Zusammenhang das Detail einer roten Farbfläche an einer der Tischecken. … Vielleicht spricht der Künstler hier von seinem eigenen Blut, gleichsam seinem Lebenssaft, den er auf seinem Arbeitstisch verströmt.“ (vgl. Smola, S. 206.) (Nina Binder)