Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

12. Mai 2015, 17:30 Uhr

0086

Jürgen Messensee*

(Wien 1936)

„Sitzende Frau“
1969
Öl auf Leinwand
146 × 150 cm
Signiert und datiert links oben: Messensee 69

Provenienz

Aus einer österreichischen Sammlung

 € 15.000 - 30.000

„Ich will, dass meine Arbeit, so gesehen wird, wie sie ist“, sagt Jürgen Messensee (Messensee, mit Texten von Paolo Bianchi, Elfriede Jelinek und Fritz Koreny, Wien 2000, S. 9). Die Natur gibt das Vorbild, aber Messensee übersetzt sie in Codes und Kürzel und erzeugt in deren Kombination eine neue Wirklichkeit. Es entsteht „eine Welt hinter der Welt hinter der Welt“ (Andrea Schurian, in: Der Standard, 4.9.2013).

Jürgen Messensee, 1936 in Wien geboren, zählt zu den führenden Künstlerpersönlichkeiten seiner Generation und nimmt eine wichtige Position in der österreichischen Malerei ein. Missverständlich wird seine Kunst oftmals dem Informel zugerechnet, wobei seine Darstellungen stets in der Natur ein Vorbild haben, lediglich aufgelöst und in eine andere Bildsprache übersetzt werden.

Eine sitzende Frau hat der Künstler in einer frühen Arbeit 1969 im Bild festgehalten. Wir sehen eine mit einem Stuhl verwachsene Form vor grellgelbem Grund. Der Sessel mit seinem Korbgeflecht ist deutlich auszumachen, die menschliche Figur hingegen verschlüsselt. Augen mit Wimpern kann man eventuell noch erkennen und ein Bein, das von der Sitzfläche herunterbaumelt, der Rest ist gefühlt ein Körper mit Substanz, aber in seinen Einzelteilen nicht einer Frau im naturalistischen Sinne zuzurechnen. Jürgen Messensee hinterfragt in seinen Bildern die optische Wahrnehmung, es geht ihm um das Versinnbildlichen einer Existenz an sich, um nicht weniger als das „was die Welt im Innersten zusammenhält“ (Zitat nach Johann Wolfgang Goethe). (Sophie Cieslar)