Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

24. März 2015, 16:00 Uhr

0207

Franz West*

(Wien 1947 - 2012 Wien)

„o.T.“
1985/86
Gips, Wellpappe, Farbe
32 × 42 × 3 cm
Rückseitig beschriftet: Franz West 1982
sowie gestempelt (dies ist das Familienwappen der Familie du Plantys)

Provenienz

Sammlung Francois du Plantys (direkt vom Künstler erhalten); Galerie Cajetan Gril erworben; seither Privatsammlung, Österreich

Ausstellung

2002 im Wappensaal der Landesgalerie: Aus der Sammlung Riedl: Skulpturen und Plastiken

Literatur

Aus der Sammlung Riedl: Skulpturen und Plastiken, (Hg.) Landesgalerie am Oberösterreichischen Landesmuseum, Land Oberösterreich 2002, Abb. o.S.

Registriert: Franz West Privatstiftung Archiv, Wien

€ 25.000

Im Mittelpunkt der Arbeit Franz Wests steht die Interaktion der Kunst und ihres Betrachters. Ab der Mitte der 70er schuf er, selbst vom Wiener Aktionismus beeindruckt, neben dem graphischen Werk skulpturale Arbeiten, zurückgenommene Formen aus mehreren Materialien, etwa Holz, Pappe oder auch Stahl, die zusätzlich mit Gips und meist weißer Farbe überzogen sind. Sie sollen vom Rezipienten benutzt, im Zusammenhang mit dem eigenen Körper verwendet werden, und so zur Reflexion anregen, wobei letztlich erst aus diesem Zusammenspiel das eigentliche Kunstwerk entsteht. Frühere Stücke lehnen sich an Gebrauchsgegenstände an, später entstehen abstraktere Formen, die dem Benutzer wenig Hinweis auf den Zweck des Dings geben und ihn so völlig frei in seiner Aktion lassen. „Von verschiedenen Personen, zu verschiedenen Zeiten, in verschiedenen Umgebungen benutzt, wird ein und dasselbe Stück zum Vermittler immer wieder anderer Erfahrungen.“ (Eva Badura-Triska, in: Franz West. Wo ist mein Achter?, Wien 2013, 13.)
Diese Passstücke, erstmals 1980 in der Galerie nächst St. Stephan präsentiert, lehnten anfangs einfach an der Wand und luden zur Verwendung ein. Erst nach und nach wurden sie auch selbst als Kunstwerke erkannt und als solche ausgestellt, fix mit der Wand oder einem Sockel verbunden, mit einer eindeutigen Ausrichtung.
In diesen frühen Werken sind alle anderen Ausdrucksweisen Franz Wests grundgelegt: Einerseits die „Legitimen Skulpturen“, die auf Sockeln montiert dem Betrachter rein intellektuelle Auseinandersetzung bieten, andererseits die Möbel, die zwar zur physischen Interaktion einladen, aber deren Art und Weise stärker vorbestimmen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit der Gestaltung eines Kontextes, eines Raums zum Kunstwerk. „Die Kunst Franz Wests ist ohne das Passstück nicht denkbar. Er schuf damit ein neues Instrumentarium, das die plastische, angewandte und sprachliche Ebene der Kunst zu einer neuen Gattung verbindet.“ (Veit Loers, Franz West, Köln 2006, 19.).Die künstlerische Verwobenheit Franz Wests mit seiner Zeit und der zeitgenössischen Kunstproduktion wird auch durch Ausstellungskonzeptionen des Künstlers offenbar, in denen immer neu zusammengestellte Kombinationen graphischer und skulpturaler Arbeiten mit und neben den Werken von Kollegen gezeigt wurden. (Nina Binder)