Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

24. März 2015, 16:00 Uhr

0208

Franz West*

(Wien 1947 - 2012 Wien)

„o.T.“
1982
Gips, Wellpappe, Farbe, Eisenständer nachträglich hinzugefügt
Gesamthöhe 187 cm, H. 30 cm, B. 57 cm, T. 7cm
Rückseitig beschriftet: Franz West 1982
sowie gestempelt (dies ist das Familienwappen der Familie du Plantys)

Provenienz

Sammlung Francois du Plantys (direkt vom Künstler erhalten); Galerie Cajetan Gril erworben; seither Privatsammlung, Österreich

Ausstellung

2002 im Wappensaal der Landesgalerie: Aus der Sammlung Riedl: Skulpturen und Plastiken

Literatur

Aus der Sammlung Riedl: Skulpturen und Plastiken, (Hg.) Landesgalerie am Oberösterreichischen Landesmuseum, Land Oberösterreich 2002, Abb. o.S.

Registriert: Franz West Privatstiftung Archiv, Wien

€ 45.000

Von der einen Seite wie eine Maske, von der anderen Seite wie ein Guckloch, das zum Durchblicken einlädt. Die Benutzbarkeit seiner Skulpturen ist eines der Hauptmerkmale der Arbeiten Franz Wests, der das Publikum ausdrücklich dazu einlädt seine Werke zu „verwenden“. Seien es seine Passstücke, die wie eine Art Prothese angelegt werden können, seine Möbelskulpturen, auf denen man sitzen, liegen, lümmeln soll oder große raumfüllende Installationen, die Kindern als Spielplatz dienen dürfen. Es geht Franz West um benutzbare Kunst, die ausdrücklich verwendet werden darf und soll. So kann die Kunst aus den Museen heraus in den Lebensraum treten und eine neue Beziehung zwischen Künstler und Publikum schaffen.
Die Fragilität der Passstücke, die durch die Benutzung bisweilen Schaden erlitten, machte die Verwendung von Podesten nötig, um einen Respektabstand zu schaffen.
Durch diese Art der Präsentation wurde aber die ursprüngliche Idee der Partizipation des Publikums pervertiert. Ein weiterer Schritt war dann die Umwandlung eines Passstückes in eine Standskulptur. Die Verwendung ist möglich, ohne aber die Arbeit selbst in die Hand nehmen zu müssen und so abzunützen.

Auch in vorliegender Skulptur wird der Betrachter aufgefordert, seine passive Rolle aufzugeben, an die Arbeit heranzutreten und hindurchzusehen. Durch den Blick durch das Guckloch wird der Raum dahinter eingeengt und somit verändert, der Betrachter selbst bedeckt sich mit der Skulptur wie mit einer Maske und wird so zum Bestandteil der Arbeit. (Sophie Cieslar)