Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

24. März 2015, 16:00 Uhr

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Wander Bertoni*

(Cordisotto 1925 - 2019 Wien)

„Die Freundinnen“
2009
Bronze; I/VII
H. ca. 42,5 cm
Signiert und datiert: Bertoni 2009
Gießerstempel: Venturi Arte Bologna

€ 15.000 - 30.000

Die Körper der Freundinnen sind eng ineinander verwoben, sie scheinen aus einem einzelnen Block zu kommen, dennoch sind die beiden Figuren klar sichtbar getrennt. Während ihre Oberkörper und Blicke entspanntes Gespräch suggerieren, könnten die Lippen auch zum Kuss geschürzt sein, sind die Beine eng verwoben und fügen die beiden zu einer beinahe unbewusst wirkenden Einheit. Intimität und Vertrautheit, auch Erotik sprechen aus der Bronze. Es gibt mehrere Fassungen des Themas, wobei die vorliegende die starke Interaktion der Figuren betont. Sie bilden einen Kreis, der sich an den Lippen der beiden durch Worte schließt, oder durch einen Kuss schließen wird. Die „Freundinnen“ sind typische Frauenfiguren Wander Bertonis: erhaben und kraftvoll, oft auch ein wenig selbstvergessen.
Die Hinwendung zu einer neuen Formensprache, die seine rein abstrakten Arbeiten in Holz und Stein der frühen Jahre ablöst, findet in den 60ern statt. Während er beginnt, geometrische Formen, oft Säulen, mit vegetabilen zu verbinden, gelangt er auch in Gestaltung der menschlichen Figur zu einer neuen Figürlichkeit, die er beibehalten sollte (vgl. Dieter Ronte, in: Wotruba Schule. Skulptur als Markenzeichen, St. Pölten 2010, 16.).
Wander Bertoni hat als ein Schüler Wotrubas nur wenig von der Formensprache seines Lehrers übernommen. Möglicherweise sind dennoch auch noch in diesem späten Werk Anklänge an diese Schulung zu finden, etwa in Hinblick auf die relative Rohheit der Ausführung, die dem Betrachter das Fertigdenken der Skulptur überlässt, ohne wirklich „non finito“ zu sein. Man denke auch an die starke Betonung des Materials, die die Bronze ohne farbige Akzente lässt, die typisch für Bertoni ist, und die Handwerklichkeit, die sorgsame Verfolgung der einzelnen Schritte von der Zeichnung und dem Gipsentwurf über das Tonmodell und die Bearbeitung des fertigen Gusses.
Die Eiform, die sich dem Betrachter beim Anblick der „Freundinnen“ unwillkürlich anbietet, erinnert nicht nur an die Wichtigkeit dieser Form für den Künstler, sondern auch an die Arbeiten Brancusis, dessen Kunstauffassung den jungen Bertoni maßgeblich prägte. (Nina Binder)